Anfang Mai vergab die Jury im Programmfindungswettbewerb für den Nachbau der Bauakademie gleich fünf Preise. Kein Konzept überzeugte. Die Ausstellung der 78 Arbeiten wird erst nächste Woche eröffnen. Kein Zeichen für Debattensehnsucht. Dabei gibt es genug zu besprechen, etwa, ob die 62 Millionen Euro vom Bundestag nur für den fotogerechten Nachbau der 1961 abgerissenen Bauakademie Schinkels oder auch für Variationen ausgegeben werden dürfen? Gut also, dass die rührige Architekturzeitschrift Arch+ und die Akademie der Künste am Dienstag am Hanseatenweg fragten: „Bauakademie – wie weiter?“

20 Projekte aus dem Wettbewerb wurden in je drei Minuten vorgestellt und vom Publikum auf ihre „Bauakademie-Code“ hin evaluiert: öffentliche Zugänglichkeit, physische Nachhaltigkeit, Sichtbarkeit des Heutigen, Flexibilität. Rauschenden Beifall erhielt die Forderung zweier junger Franzosen, dass der Neubau der alten Bauakademie kein weiterer Teil der „ideologischen Säuberung“ der Stadt von ihrem DDR-Erbe sein solle. Sicher fehlte der Debatte die Tiefenschärfe. Aber zumindest wurde informiert. Viele forderten: Nur eine Institution solle in dem Haus unterkommen; eine Intendanz, auf vier Jahre berufen, und mit Beirat. Aber lässt die Politik so viel Unabhängigkeit zu? Staatssekretär Frank Pronold gab bekannt, dass im Herbst eine Stiftung gegründet werden soll. Über ihre Finanzierung sagte er nichts.

Es wurden serpentinenartige Gassen zwischen alten und neuen Fassaden gezeigt, große Hallen, reine Schemapläne, die Bauakademie als Raumgerüst. Und Nicholas Kemper schlug vor, auf dem Dach alle zwei Jahre einen Pavillon neu zu errichten, als Zeichen der Zukunft. So etwas ähnliches hatten wir schon mal für die Bespielung der Dachflächen des „Schlosses“ vorgeschlagen, nach dem Vorbild des jedes Jahr für Sensation sorgenden Londoner Serpentine-Pavillons. Eine schöne Idee.