Der Spreeflügel entstand in moderner Architektur, die drei anderen Seiten der Fassade wurden dem Original nachempfunden. Zur Spreeseite ist eine große Terrasse geplant.
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BerlinGerade erst hat der Haushaltsausschuss des Bundestags das Budget für das neue Berliner Schloss nach Pannen und Bauverzögerungen um fast 50 Millionen Euro auf 644 Millionen Euro erhöht, da wachsen Zweifel am neuen Eröffnungstermin. Der Grund: Laut dem jährlichen Bericht des Bundesbauministeriums zum Schloss-Projekt ist der aktuelle Terminplan extrem eng.

Ziel ist eine „bauliche Fertigstellung und Ersteinrichtung bis Ende August 2020“, heißt es in dem Bericht, der der Berliner Zeitung vorliegt. Schon ab September 2020 soll jedoch nach den bisherigen Plänen das Schloss als Humboldt-Forum in Etappen bis Mitte 2021 eröffnet werden. Im Terminplan sind also kaum noch Zeit-Puffer enthalten.

Risiken sind weiter da

„Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat ein sehr dickes Finanzpaket beschlossen und großzügig Nachforderungen bewilligt“, sagt die Linken-Abgeordnete Gesine Lötzsch. „Meine Sorge ist, dass auch der gleitende Eröffnungstermin September 2020 nicht zu halten sein wird und dann weitere finanzielle Forderungen auf die Steuerzahler zukommen.“

Die Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss, Bauherrin des Projekts, hatte die ursprünglich für 2019 geplante Eröffnung des Gebäudes im Juni dieses Jahres um etwa ein Jahr verschoben. Als Ursachen führte sie unter anderem bauliche Mängel und Verzögerungen bei einzelnen Gewerken an – vor allem bei der Klima- und Lüftungstechnik.

„Termin- und Kostenrisiken bleiben weiterhin aufgrund der anhaltend gestörten Bauabläufe, insbesondere in der Gebäudetechnik“ bestehen, heißt es im Ministeriumsbericht. Der Grund sei die stark ausgelastete Bauwirtschaft.

Das Humboldt-Forum kommt jedoch auch voran

Immerhin gibt es aber auch Fortschritte zu vermelden: So wurde im Herbst 2019 die Kältezentrale „nach mehreren Havarien und Kollisionen der Kälteleitungen in Betrieb genommen“, heißt es. Außerdem seien unter anderem die Entrauchungsanlagen, Teile der Brandmeldeanlage, die Trafo-Anlage, die Heizungsanlage und die zentrale Wasseraufbereitung in Betrieb gegangen.

Nach dem Abbau der Baugerüste ist zudem der Blick auf die rekonstruierten Fassaden frei. Seit dem Sommer laufen die Dachdecker-Arbeiten an der Kuppel, die eine Eindeckung in Kupfer erhält. Die Kuppel soll zusammen mit Laterne und Kreuz bis zur Eröffnung fertiggestellt werden. Die hellblaue Humboldt-Box, die jahrelang als Informationsort zum Bauprojekt diente, wurde mittlerweile abgerissen.

Auf den Flächen rund um das Schloss laufen nun die Arbeiten zur Freiraumgestaltung. Zur Spreeseite ist eine große Terrasse geplant. Bis zum September 2020 soll der Außenraum im Norden, Osten und Süden fertiggestellt werden.

Im Nordwesten und Südwesten dauern dagegen noch Tiefbauarbeiten für den Lückenschluss der U-Bahn zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor an.

Laut Bericht soll der dortige U-Bahnhof Museumsinsel „voraussichtlich erst 2022 in Betrieb gehen“. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) widersprechen jedoch. Wenn alles laufe, wie geplant, werde der Bahnhof 2021 in Betrieb gehen, so BVG-Sprecherin Petra Nelken am Sonntag. Auf der übrigen Strecke sollen die U-Bahnzüge schon Ende 2020 rollen.

Kritik an Gebäudestruktur des Humboldt-Forums

Das neue Schloss soll ein modernes Kulturzentrum werden. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die dort die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst präsentieren will. Das Land Berlin plant eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt. Und die Humboldt-Universität richtet einen „Ort des Wissens und der Wissenschaften“ ein.

Ob das Schloss ein wirkliches Volkshaus werde, sei aber noch offen, sagt Gesine Lötzsch. „In Anbetracht der unvorteilhaften inneren Struktur des Hauses, sind da starke Zweifel angebracht“, sagt sie. So gebe es etwa keine großen Veranstaltungsräume.

Zum offiziellen Schloss-Budget von 644 Millionen Euro kommen etwa 20 Millionen Euro für Extras wie die komplette Rekonstruktion der Kuppel. Die Extras sowie die Rekonstruktion der Fassade für 80 Millionen Euro sollen aus Spenden finanziert werden. Laut Bericht fehlen noch 7 Millionen Euro Spendengeld.