Am 1. April 1963 nahm das Zweite Deutsche Fernsehen seinen Sendebetrieb auf, damals noch von Eschborn bei Frankfurt aus. 50 Jahre danach ist das ZDF eine der größten Fernsehanstalten Europas. Eine Geschichte in Superlativen:

Der erste Skandal Ereignete sich schon vor der Gründung. Der damalige Bundeskanzler Adenauer wollte einen zweiten, von der Bundesregierung kontrollierten Fernsehsender schaffen. Das Bundesverfassungsgericht verbot den Staatsfunk, Rundfunk sei Ländersache. Die Bundesländer ließen sich nicht lange bitten und einigten sich im Juni 1961 auf den Staatsvertrag zur Gründung des ZDF.

Die nachhaltigste Idee

Ganz schwierig. Soll man nun für „Aktenzeichen XY ungelöst“ plädieren, das auch im 46. Jahr seines Bestehens Top-Quoten für den Sender einfährt? Oder doch für „Wetten, dass..?“, auch wenn es mit Markus Lanz an Zuspruch verliert? Oder für den „Kommissar“ mit Erik Ode, der die Krimi-Tradition im ZDF begründete („Der Alte“, „Derrick“, „Soko 5113“ undundund)? Oder für ...?

Die lustigste Art, Werbung zu verkaufen

Das Gesetz schreibt es vor: Werbung und Programm müssen für den Zuschauer unterscheidbar sein. Im Privat-TV wird deshalb einfach an der Lautstärke gedreht. Das ZDF leistete sich die Mainzelmännchen, lockte so wie der Rattenfänger von Hameln die Kinder vor den Fernseher. Die Werbekunden freuten sich, denn viele Kaufentscheidungen im Supermarkt werden erwiesenermaßen von Kindern mit beeinflusst.

Die größte Pleite Auf einem Acker vor dem ZDF-Sendezentrum auf dem Lerchenberg sollte um die Jahrtausendwende der „erste rein aufs Fernsehen bezogene Themenpark der Welt“ entstehen. Mit „Terra X“-Pyramide, „Sportstudio“-Parcours, „Löwenzahn“-Entdeckerwelt und einem riesigen „Traumschiff“-Nachbau. Dafür war eigens eine „Medienparkentwicklungsgesellschaft“ gegründet worden.

Eine Million Besucher pro Jahr hätten kommen sollen. Aber dann sorgten ein paar denselben Acker bewohnende und unter Artenschutz stehende Feldhamster für eine Bauverzögerung. Schließlich erkannte das ZDF selbst den Wahnsinn des Projekts. Gebaut wurde nie.

Der beste Jungmoderator In den 70er-Jahren war kaum ein anderer Jungmoderator so prägend fürs ZDF wie Ilja Richter, der mit seiner Musiksendung „Disco“ und der Mischung aus Rock, Pop, Schlager und Comedy bewies, dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen auch mal locker machen kann. Später legte Thomas Gottschalk mit Videoclips bei „Thommys Pop-Show“ nach, bevor er sich mit „Na sowas!“ und „Wetten, dass..?“ samstagabends verpflichten ließ.

Über viele Jahre reflektierte das ZDF-Programm zumindest einen Teil der Jugendkultur. Heute ist das nur noch beim winzigen Digitalableger ZDF.kultur möglich, funktionierte dort mit Rainer Maria Jilg, Hadnet Tesfai, Nina Sonnenberg, Jo Schück und Lukas Koch aber ziemlich gut. Trotzdem wird der Kanal demnächst eingestellt, um Kosten zu sparen.

Die dreisteste Lüge

Eigentlich sollte die Wiederwahl von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender 2009 eine Formsache sein. Die Arbeit des Journalisten hatte fast ausschließlich Anerkennung erfahren. Doch dann mischte sich die Politik ein. Der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, zugleich ZDF-Verwaltungsratsmitglied, erklärte, die Union werde Brender nicht im Amt bestätigen, angeblich weil die Quoten der Nachrichtensendungen gesunken seien. In Wahrheit war ihnen der parteilose Brender zu unberechenbar. Trotz aller Proteste ließen ihn die unionsnahen Mitglieder im Verwaltungsrat durchfallen – ohne Rücksicht auf Intendant Schächter, der zu Brender gehalten hatte.

Der schlaueste Schachzug

Die Generationenfrage ist die zentrale Programmherausforderung aller Sender. Aber die Jungen sehen nicht mehr fern, sondern klicken sich durchs Internet. Mit ZDFneo baute das Zweite bereits 2009 deshalb eine Experimentierplattform auf, die zwar im TV kaum jemand einschaltet, aber im Internet von vielen registriert und abgerufen wird. So ist ZDFneo weniger ein hipper Jugendsender als eine schlaue Onlinestrategie.

Die teuerste Fehlinvestition

Als im Sommer 2009 das neue Nachrichtenstudio in Betrieb genommen wurde, staunten die meisten erstmal nicht über die neue Technik, die es ermöglichte, die Moderatoren in computeranimierte „Erklärräume“ zu stellen. Sondern über die Kosten für dieses Wunderwerk: 30 Millionen Euro. Nach unzähligen Minireförmchen mag sich das Publikum inzwischen mit der künstlichen Kulisse arrangiert haben. Anstatt durch Modernität zu glänzen, wirken „heute“ und „heute-journal“ seitdem aber vor allem unpersönlich und die Moderatoren durch die langen Kamerazooms sehr weit weg vom Zuschauer. Am Mittwoch ließ sich Marietta Slomka aus dem neuen „heute journal“-Studio in einen virtuellen Nachbau des alten beamen. Das war ein bisschen schwarz-weiß. Aber irgendwie gemütlich.

Der schwerste Verlust

Er war eigentlich Leitender Rias-Redakteur, profilierte aber mit seiner Spielshow „Dalli-Dalli“ das noch junge ZDF ähnlich wirkmächtig wie Dieter Bohlen RTL. Sprichwörtlich sein Ausruf „Das war spitze!“ nach besonders gelungenen Spielen. Die Kriegsgeneration erkannte im Berliner Juden Rosenthal das Symbol für Aussöhnung, der 68er-Generation galt er als Inkarnation von Verdrängung und Spießigkeit. Rosenthal starb 1987 an Krebs.