BerlinNicht erst seit dieser Woche wissen wir: Die Queen stimmt ihre Outfits stets peinlich genau ab. Hutfarbe, Kostümfarbe, Schuhe, Tasche – alles muss zusammenpassen. Doch nun kommt ein weiteres Utensil hinzu, das der Kleiderwahl angeglichen werden will: der Mund-Nasen-Schutz. In Pandemiezeiten setzte die 94-jährige Monarchin lange auf Rückzug, jetzt zeigt sich Elizabeth II. wieder verstärkt in der Öffentlichkeit – beim Remembrance Day vor einigen Tagen, an dem die Briten ihrer Kriegstoten gedenken, trat sie erstmals öffentlich mit Maske auf. Für uns ein Anlass, einmal genauer hinzuschauen: Wie bedecken Royals und Promis ihr Gesicht? 

Mit Stil: Die Queen besuchte das Grabmal des unbekannten Soldaten in der Westminster Abbey in angemessenem Schwarz, passend zum Anlass war auch die Maske schwarz, abgesetzt mit einem eleganten weißen Streifen am Rand. Ein klares Stil-Statement, britische Medien vermuteten hinter der Modellwahl die Stylistin der Queen, Angela Kelly. Auch andere Royals setzen modische Akzente: Herzogin Kate bevorzugt bei öffentlichen Terminen Gesichtsbedeckungen mit zartem Blumenmuster, deren Absatz sogleich sprunghaft in die Höhe schnellt, sobald die 38-Jährige die floralen Kreationen etwa des Londoner Labels Amaia trägt.

Herzogin Camilla greift schon mal zu Leoparden- oder Pfauenprints aus der Kollektion des Londoner Luxus-Kaufhauses Liberty. Das Design der Pfauenmaske etwa stammte aus der Feder der Designerin Fiona Clare und war passend zum marineblauen Farbton eines schlichten Tunika-Kleides abgestimmt. Was all diese Beispiele zeigen: Aus einem schnöden Mundschutz kann man ein tolles Accessoire zaubern, frei nach dem Motto: Wenn das Leben dich nervt, streu Glitzer drauf!

Foto: Imago Images
Herzogin Kate mit floraler, zum Outfit passender Maske.

Mit Botschaft: Die Maske im Gesicht wird gesehen. Die Maske fällt auf. Sie lässt sich damit auch für Propaganda aller Art nutzen. Im US-Wahlkampf trugen Promis bei ihren unzähligen Auftritten in den sozialen Netzwerken oder in der Öffentlichkeit den Mund-und-Nasen-Schutz, als sie dazu aufriefen, überhaupt zur Wahl zu gehen oder ihrem Kandidaten die Stimme zu geben. Die Sängerin Beyoncé etwa machte aus ihrer Vorliebe für Joe Biden keinen Hehl. Die Kolleginnen Lady Gaga und Katy Perry ebenfalls nicht. Trump-Fans gab es bei den Maskenträgern eher weniger – was nicht verwundert, schließlich ist der „pandemieskeptische“ Donald Trump eher als Maskenmuffel bekannt.

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Bei der ganzen politischen Maskenlärmerei sei aber noch an den diskreten Charme von Prinz Charles erinnert: Der britische Thronfolger trägt seine Maske gern aus einem exotischen Stoff – er wirbt damit für die Arbeit von Webern und Künstlern in Myanmar. Im Vergleich dazu verfolgt die Tennislegende Boris Becker mit der Maske einen eher profanen Zweck: In seiner Wahlheimat London ließ er sich unlängst beim Weg ins Gericht – es geht um sein Insolvenzverfahren – mit einer Maske blicken, auf der ein Sponsoren-Logo und der Schriftzug „Stronger together“ deutlich erkennbar waren.

Mit Humor: Was macht eigentlich Macaulay Culkin, der Kinderstar aus „Kevin – Allein zu Haus“? Nun, der heute 40 Jahre alte US-Schauspieler signalisiert auf jeden Fall, dass auch in Pandemiezeiten der Humor nicht auf der Strecke bleiben darf. Auf seinen Social-Media-Accounts teilte Culkin seine Motiv-Maske, auf die eben jenes Schreckensgesicht gedruckt ist, das den Schauspieler vor 30 Jahren berühmt machte – es zierte damals die „Kevin“-Filmplakate. Die Hände an die Wangen geschlagen, den Mund weit aufgerissen, so kennt man den Star des Weihnachtsklassikers, in dem der kleine Protagonist das elterliche Haus gegen zwei Einbrecher verteidigt. Mit seinem Post brachte Culkin nicht nur viele Internetnutzer zum Lachen, er setzte auch ein Statement in der in den Staaten kontrovers geführten Maskendebatte. Sein Schutz gegen Covid sei die abgezogene Haut seines jüngeren Ichs, schreibt Culkin zu seinem Post. Und: „Vergesst nicht eure Masken zu tragen, Kids.“

Ein zu Scherzen aufgelegter Maskenmann hatte kürzlich auch beim Ski-Weltcup in Sölden seinen Auftritt: Der Schweizer Skirennfahrer Justin Murisier gab Interviews mit einer sehr speziellen Schutzmaske, auf der nicht nur ein Bart, sondern auch ein Gebiss mit fehlenden Zähnen zu sehen war. Das Netz feierte ihn für diese Aktion. „Der beste Mann“, schrieb ein Nutzer.

Mit Pannen: Keine Maske zu tragen, ist zwar keine Lösung, kommt aber vor. Bei der Frage, ob und wie der Mund-und-Nasen-Schutz getragen wird, zeichnet sich eine kleine Charaktertypologie ab. 1. Maskenträger zeigen sich offenbar als Anhänger der Wissenschaft – und lassen eine entschlossene Gemeinwohlorientierung erkennen. 2. Zeitgenossen, bei denen die Maske nur etwa den Mund verdeckt und die Nase frei lässt, bekunden dem Gemeinwohl gegenüber immerhin ihren guten Willen. 3. Alle jene, bei denen die Maske irgendwo unterm Kinn hängt, mögen vielleicht an Voodoo-Zauber glauben oder sonst einem verqueren Fashion-Verständnis folgen, wonach man ja auch in größter Dunkelheit seine Sonnenbrille lässig auf der Stirn trägt.

Und 4. schließlich die Nicht-Träger. Erinnert sei hier allerdings an einen aparten Fall, an Lana del Rey: Die Sängerin legte nämlichen einen wahrlich irritierenden Auftritt hin, als sie kürzlich bei einer Lesung in Los Angeles beim drängelvollen Stelldichein mit ihren Fans eine silbern glitzernde, grobmaschige, also löchrige Netzmaske trug. War irgendwie stylish. Und grob fahrlässig.

Mit Schlichtheit: Die Maske ist ein so nützliches wie gebotenes Mittel, sich in Zeiten der Corona-Pandemie öffentlich zu bewegen. Mehr aber auch nicht. Die meisten Menschen machen das so, wenn sie nicht gerade zu den Maskenverweigerern gehören, und folgen den Geboten wissenschaftlicher Vernunft. Dabei müssen es nicht einmal wiederverwendbare Masken aus Stoff sein, die unprätentiöse Schlichtheit des Maskengangs unterstreicht auch der einfache Schutz aus Papier im FFP1-Standard – mittlerweile in jedem Berliner Späti erhältlich.

Bei den etwas prominenteren Zeitgenossen hat sich in letzter Zeit vor allem das japanische Kaiserpaar Naruhito und Masako hervorgetan. Die beiden, denen übrigens lange vorgeworfen wurde, sie kümmerten sich in den schweren Corona-Zeiten nicht genügend um ihr Volk, tragen das weiße Papiermodell sogar bei festlichen Anlässen. Die ehemalige Königin Sofia von Spanien tut es ebenfalls, auch Königin Rania aus Jordanien wurde schon so gesehen, Königin Letizia von Spanien, Königin Máxima der Niederlande … Der papierene Einwegschutz in durchlauchten, hochwohlgeborenen Diensten.

Foto: imago Images/Kyodo News
Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako in Ausübung ihrer Maskenpflicht.

Mit Vermummungstendenzen: Gwyneth Paltrow hätten wir beinahe nicht erkannt, so verhüllt, ja fast schon vermummt sah man die US-Schauspielerin zuletzt oft in der Öffentlichkeit. Schon im Frühjahr postete die 48-Jährige ein Masken-Selfie aus dem Flugzeug, damals befand sie sich auf dem Weg zur Pariser Modewoche und hatte sich umfassend präpariert. Im Gesicht trug sie eine schwarze „Urban Air Mask“ des schwedischen Labels Airinum im Wert von 64 Euro. Das schicke, futuristisch anmutende Teil kombinierte sie mit einer schwarzen Schlafbrille – vom Gesicht blieb herzlich wenig zu sehen, was ab einem gewissen Bekanntheitsgrad ja schon wieder ein willkommener Nebeneffekt sein kann.

Hatte diesen Effekt etwa auch Supermodel Naomi Campbell im Sinn? Die 50-Jährige inszeniert sich auf Instagram ebenfalls gern gut eingepackt. Am Flughafen von Los Angeles etwa trug sie einen weißen Schutzanzug, Handschuhe und Mundschutz. „Safety First Next Level“, so ihr Kommentar. Hygiene-Fanatiker können Campbell auf YouTube dabei zusehen, wie sie im Flieger Tische und Oberflächen desinfiziert, bevor sie sich setzt. Allerdings waren einige Kommentatoren auch erstaunt, warum das Model überhaupt auf Reisen geht, wenn doch überall dringend empfohlen wird, zu Hause zu bleiben.