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Berlinale-Wettbewerb: „Out Stealing Horses“: Film zum erfolgreichsten Buch Norwegens

Der Film „Out Stealing Horses“erhält von unserer Filmkritikerin fünf von fünf Sternen. ★★★★★

★ Totaler Flop

★★ Misslungen

★★★ Sehenswert

★★★★ Bären-Kandidat

★★★★★ Meisterwerk

Ein Holzkreuz auf einem Baum. Nebel über dem Fluss im Wald. Zwei alte Männer, die sich nachts vor einer Hütte reglos gegenüberstehen. Das Knistern der Scheite im Ofen. Weiches Getrappel von fliehenden Hasenpfoten im Schnee. Ein Surren von Ameisen, das übergeht in Saitenklänge, die wie Fragen klingen.

Verfilmung des erfolgreichen Buches „Pferde stehlen“

Nahsichten und Unschärfen, bis Körper und Dinge Landschaft werden. Erinnerungen, die das Bewusstsein fluten und den Schmerz bringen – doch als wie stark er empfunden wird, „entscheidet man selbst“.

Das ist einer der schönsten und seltsamsten Sätze in Per Pettersons Roman „Pferde stehlen“, der 2003 erschien und in 50 Sprachen millionenfach verkauft wurde. Es handelt sich wohl um das erfolgreichste norwegische Buch jemals, und der in den USA lebende norwegische Regisseur Hans Petter Moland hat es jetzt mit einem seiner Lieblingsdarsteller, dem Schweden Stellan Skarsgård, in der Rolle des alten Trond, der nach dem Tod seiner Frau in den Wald zieht, verfilmt.

Moland war zuletzt vor fünf Jahren mit der Gangsterkomödie „Immer der Reihe nach“ bei der Berlinale, da spielte Skarsgård ebenfalls die Hauptrolle. Wobei: Hauptrollen gibt es im neuen Film entweder ausschließlich oder keine. Der Schauspieler Tobias Santelmann drückte es bei der Pressekonferenz so aus, dass die Herausforderung darin bestanden habe, einfach zu „sein“ – und die Nähe zu den Mitspielern auszuhalten.

Szene aus Out Stealing Horses.

"Pferde stehlen" gehen hat hier mindestens zwei Bedeutungen: Tobias Santelmann in der Rolle des Vaters.

Foto:

41/2 Film

Er verkörpert Tronds Vater in jenem Nachkriegs-Sommer, als Trond 15 Jahre als war und mit dem Vater mehrere Wochen im Wald verbrachte. Der Sommer, in dem ein Kind starb, ein Freund verschwand, ein Mann verletzt wurde, Trond zwei Geheimnisse über seinen Vater erfuhr und ihn zum letzten Mal sah. Der Vater war es, der Trond zeigte, dass man Brennesseln auch mit der bloßen Hand herausreißen kann, denn: „Wann es weh tut, entscheiden wir schließlich selbst.“

„Out Stealing Horses“ überzeugt durch schauspielerische Leistung

Ist das so? Der alte Trond liefert sich seinen Erinnerungen nur widerstrebend aus, nachdem er eines Nachts den Bewohner der nächstgelegenen Hütte trifft und feststellen muss, dass er ihn kennt. „Out Stealing Horses“ ist auf Augenhöhe mit Pettersons Roman: ein philosophischer Film über die Frage, ob sich schuldig macht, wer sein eigenes Leben lebt. Und wie man nach dem letzten Schritt doch noch weitergehen kann.

Filmisch ein Gemälde aus Jetzt und Damals, Natur und Ritual, Sprache und Klang, ist „Out Stealing Horses“ sensationell gut gespielt. Als Jon Ranes als der junge Trond mit einem Freund „Pferde stehlen“ geht und dabei irgendwann mit ihm auf einem Baum sitzt, greift dieser sich erst ganz zart ein Vogelnest, um es dann mit einem Ausdruck qualvollsten Selbsthasses zu zerquetschen. Diese Implosion eines Menschen bleibt haften – nicht als einziges Bild.

Termine: 10.2., 10.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, 12.15 Uhr , 21 Uhr und 17.2., 13.30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele