Es ist eines dieser Berlin-Klischees: Die Hauptstadt gilt als Wohlfühl-Stadt für Homosexuelle, mit einem schwulen Regierenden Bürgermeister und vielen anderen prominenten Homosexuellen - Politikern, Star-Friseuren, Künstlern. Schwul ist cool, könnte man meinen.Doch der Alltag vieler homosexueller Normalbürger sieht anders aus. Sie müssten noch immer damit rechnen, diskriminiert, angepöbelt, möglicherweise auch angegriffen zu werden, sagt Alexander Zinn vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD). 154 Fälle von schwulenfeindlicher Gewalt habe das Anti-Gewalt-Projekt Maneo 2008 registriert. Der Verband hat deshalb ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Homophobie geschmiedet. Gestern trafen sich die 24 Gründungsmitglieder zur Unterzeichnung eines Aufrufs im Roten Rathaus. Vertreten waren unter anderem die Berliner Polizei und die Berliner Stadtreinigung, die Deutsche Bank, Gewerkschaften, die Akademie der Künste und die Berlinale, Hertha BSC und der Landessportbund. "Homophobie geht uns alle an", heißt es im Aufruf. Die Unterzeichner verpflichten sich, im Alltag jeglicher Form der Diskriminierung entgegenzutreten. Mit dabei, so Zinn, seien nicht nur "die üblichen Verdächtigen", sondern Institutionen aus der Mitte der Gesellschaft. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lobte dies. Der Kampf gegen Homophobie sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.Als erste Ideen für das Bündnis nannte Zinn eine Internet-Seite, gemeinsame Kampagnen oder einen jährlichen Respekt-Preis. Weitere Bündnispartner sind willkommen.Unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund seien Vorurteile gegenüber Schwulen besonders weit verbreitet, so Zinn. Umso positiver fiel daher das Engagement von Türkiyemspor auf. Seit vier Jahren unterstützt der Fußballverein die "Respect Games", eine Kampagne des LSVD. Das Foto eines jungen Fußballers bei Türkiyemspor zierte die Plakate.Der Verein machte sich damit nicht nur Freunde. "Der Spieler wurde auf der Straße angepöbelt, ständig wurde er beschimpft", sagt Susam Dündar-Isik, Sprecherin von Türkiyemspor. Sie erhielt Hass-Mails. Der Spieler werde deshalb nicht noch einmal für die Poster posieren, sagte Dündar-Isik gestern. Aber ihr Verein werde sich weiter gegen Homophobie engagieren. Die Erfahrung habe ja gezeigt, dass dies dringend nötig sei.