Immer wieder findet sich im Kunst- und Antiquitätenhandel selbst bei herausragenden Objekten der Vermerk: „Fundort unbekannt“. Meist ist dann allergrößte Vorsicht angebracht, denn oft ist durchaus bekannt, woher die Objekte stammen – aus Raubgrabungen, Plünderungen und Zwangsverkäufen nämlich. Auch deswegen hat 2007 der Bundestag das „Kulturgüterrückgabegesetz“ verabschiedet, nach fast vierzig (!) Jahren „Debatte“. Nun will die Bundesregierung im kommenden Jahr eine Änderung des Gesetzes vorlegen, um den Handel mit illegal beschafften Kunstschätzen wirksamer zu bekämpfen – und reagiert damit offenbar auf Plünderungen und Raubgrabungen der IS-Miliz in Syrien und im Irak. Das bisherige Gesetz sei nämlich eher ein Kunstraubfördergesetz, meinen Kritiker.

Bereits 1970 hatte die Weltkulturorganisation Unesco das Verbot jeglichen Handels mit der Beute von Kriegszügen, Plünderungen und aus Raubgrabungen beschlossen. Deutschland ratifizierte 2007 als einer der letzten europäischen Staaten das Abkommen, im Februar 2008 wurde das „Kulturgüterrückgabegesetz“ in Kraft gesetzt. Mit diesem Gesetz werden Händler, Auktionshäuser sowie Museen, Bibliotheken, Archive und Privatleute verpflichtet, unrechtmäßig auf den Markt gehandelte Objekte an die Herkunftsstaaten zurück zu geben.

Der deutsche Kunsthandel hat sich lange gegen eine solche Beschränkung gewehrt. Auch im aktuellen Gesetz findet sich noch manche Einschränkung. So muss vor einer Rückgabe nachgewiesen werden, dass Objekte für das Land „besonders bedeutsam“ für ihre „Archäologie, Vorgeschichte, Geschichte, Literatur, Kunst oder Wissenschaft, aus religiösen oder weltlichen Gründen“ sind. Dieser Nachweis hat durch die Eintragung in nationale Denkmallisten zu erfolgen. Steht es dort nicht, gilt es erst einmal als legales Handelsgut. Und im Fall gutgläubigen Erwerbs sind die Herkunftsstaaten verpflichtet, die neuen Eigner „angemessen“ zu entschädigen.

Bis heute wurde kein einziges Objekt auf Grund dieser sehr kunsthandels-freundlichen Formel zurückgegeben. Denn was ist „besonders bedeutsam“? Kaum eines der Objekte, die bei illegalen Raubgrabungen in Mesopotamien, bei der Plünderung von Moscheen in Timbuktu, Tempeln in Afghanistan oder Privathaushalten in Aleppo erbeutet wurden, ist in Denkmallisten erfasst. Es hilft wohl nur eins: Die Verlagerung der Nachweispflicht an den Kunsthandel.