Gute Spiele werden nicht alt, wie man an Dauerbrennern wie Monopoly sieht. Warum also gibt es immer wieder so viele neue Spiele?Das frage ich mich auch. Dieses Jahr wurden auf der Spielemesse in Essen 600 neue Spiele vorgestellt, im Jahr davor 400. Das ist dramatisch.So viele Neuheiten passen in kein Ladenregal.Die Verlage bringen mehrere Spiele heraus, weil sie nie wissen, welches sich zum Klassiker entwickeln könnte. Und es ist ein simpler Verdrängungskampf um den knappen Platz in den Kaufhausregalen.Wie hat sich die Welt der Brettspiele entwickelt?Einerseits gibt es Spiele für Vielspieler, die sehr in die Tiefe gehen. Die Entwicklungsprozesse ähneln denen in der Malerei, man nimmt Strömungen auf und entwickelt sie weiter. Die Konkurrenz ist groß. Anderseits gibt es Angebote, die Leute anfixen sollen, die gar nicht spielen. Diese Spiele müssen einen schnellen Zugang bieten, sofort Spaß bringen ohne komplizierte Spielregeln. Die besten Entwicklungen honoriert der Deutsche Spiele-Preis.Gibt es da besondere Trends?Insbesondere bei Kinder- und Familienspielen wird immer mehr mit dem Material als mit der Strategie gearbeitet. Da gibt es dreidimensionale Bretter, man arbeitet mit unterschiedlichen Ebenen und Materialien. Das ist schön anzusehen und definitiv ein Trend. Eine große Rolle für den Erfolg spielen seit einiger Zeit Lizenzen, wie das neue Spiel nach Ken Follets Bestseller "Die Säulen der Erde". Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben.Was macht für Sie ein gutes Spiel aus?Es muss mich auch nach vielen Runden noch reizen. Ich muss tief in eine Welt tauchen können, damit ich immer wieder zu dem Spiel greife. Bis ich eine Spielidee veröffentliche, habe ich es selbst mehr als 200 Mal gespielt. Gleichzeitig muss aber auch ein Neuling schnell den Einstieg finden. Ein gutes Beispiel sind Carcassone und Die Siedler von Catan, die beiden derzeit erfolgreichsten deutschen Spiele. Beide kann man auf extrem hohem Niveau spielen, aber sich auch als Nichtspieler schnell dafür begeistern.Mit wem spielen Sie?Seit drei Jahren spiele ich am liebsten epische Spiele mit vielen Kärtchen und großer Erzählwelt, weniger mit der Familie, sondern in Spieleclubs. Die gibt es in Deutschland überraschend oft. Da treffen sich Leute in Kneipen oder Wohnzimmern und spielen. Hier in Gütersloh gibt es ein historisches Bauernhaus, in dem so etwas alle zwei Wochen stattfindet.Was halten Sie von Menschen, die überhaupt nicht spielen?Ich habe lange Nichtspieler befragt und kam zu einem interessanten Ergebnis. Die meisten angeblichen Spielehasser kennen einfach noch nicht das Spiel, das ihnen Spaß macht. Es wäre eine Aufgabe für den Einzelhandel, solche Menschen gut zu beraten. Dann gibt es Leute, die eigentlich gerne spielen, es aber nicht tun, weil sie unbedingt gewinnen wollen. Sie bekommen schlechte Laune, reden nicht mehr und können sich selbst nicht mehr leiden. Deshalb lassen sie es gleich ganz sein. Das finde ich faszinierend.Das Gespräch führte Kerstin Krupp.------------------------------Foto: Uwe Rosenberg, 40, ist hauptberuflicher Spieleerfinder. 2008 erhielt er für Agricola den Deutschen Spiele- Preis. Es ist eines der meistgespielten Strategiespiele.