Schlingensief fühlt sich von der FDP verletzt und "innerlich beschmutzt", besonders von Jürgen Möllemann. Im Theater von Duisburg baute er am Sonntag Porträts von Möllemann und dem Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser auf. "Tötet Mollemann", rief er ins Publikum, und bohrte dem Porträt die rechte Pupille durch. Steinhäuser dagegen verteidigte er: "Entweder geht man in die Politik und bringt die Leute leise um, oder man macht es wie er." Dem Grünen-Politiker Cem Özdemir war es sichtlich unwohl, dass er sich eingelassen hatte, beim Festival Theater der Welt mitzuwirken, als Schlingensief forderte: "Geht nach Hause, holt die Knarre und rechnet mit dem FDP-Parteitag ab." Montag Mittag um 12 Uhr knüpfte Schlingensief dann vor dem Düsseldorfer Sitz von Möllemanns Firma Webtechei eine Rupfenpuppe auf, steckt sie in Brand. Faule Fische, Federn und Patronenhülsen landeten im Vorgarten. Als Schlingensief versuchte, die Puppe mit einem Scharon-Porträt zu schmücken, hinderte ihn die Polizei. Schlingensief hämmerte auf einem mit blaugelben "Aktion 18"-Plakaten dekorierten Klavier schräge Akkorde, intonierte "Ich bin verletzt" und "Möllemann, ich verfluche Dich." Nach eine Stunde war das Spektakel vorüber, auch wenn die "Aktion 18" bis Ende Juni dauern soll. Ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft fragte erstaunt: "Was war das denn?" "Kunst", gab jemand zur Antwort. (het.)