Wenn man Kunst sammelt, ist das Auge das wichtigste, nicht das Gefühl. Das Auge kann man schulen. Wenn man sich auf sein Gefühl verlässt, kann man sehr daneben liegen. Ich sammle nicht für mich, sondern kaufe seit 20 Jahren für den Automobilhersteller DaimlerChrysler zeitgenössische Kunst. Etwa 600 Werke bis jetzt. Da fühle ich mich natürlich besonders gefordert, Dinge zu kaufen, die über den Tag hinaus Bedeutung haben. Dass man sich nie sicher sein kann, ob man den richtigen Blick hat, macht das Sammeln so spannend. Jeder Kauf ist ein erneuter Versuch, eine Herausforderung, sich nicht zu täuschen. Verbiegen musste ich mich nie, obwohl ich nicht für mich selbst sammle. Als das Unternehmen vor 20 Jahren beschloss, eine Kunstsammlung zu gründen, ging es nicht darum, sich mit Kunst schmücken zu wollen, sondern mal über den Tellerrand zu schauen, Impulse zu bekommen. Ich konnte immer eigenverantwortlich einkaufen. Ich bin Jurist, habe mich aber immer sehr für Kunst interessiert. Als Sammler habe ich mich zu Beginn noch nicht verstanden, die Sammelleidenschaft ist im Laufe der Jahre dazugekommen. Am Spannendsten sind die Begegnungen mit den Künstlern, mit Andy Warhol zum Beispiel. Der hat für uns die Serie "Cars" gemacht, das war seine letzte große Serie.Hans J. Baumgart Der Jurist Hans J. Baumgart, 63, ist vor 20 Jahren zum Berufs-Sammler geworden: Er kauft für den Automobilhersteller DaimlerChrysler weltweit Kunst ein. Bis vor kurzem konnten nur Konzern-Mitarbeiter die Werke sehen. Nun hängen einige von ihnen in den Ausstellungsräumen des Konzerns im Weinhaus Huth am Potsdamer Platz.