MARIN MAJICA über "Filmstadt Berlin" und den Schuhverkäufer aus "Sommer vorm Balkon"Der Prenzlauer Berg war schon immer ein beliebter Drehort. "Berlin - Ecke Schönhauser" wurde am U-Bahnhof Eberwalder Straße gedreht. "Solo Sunny" spielt unter anderem in der Kopenhagener Straße 13. Der "Sommer vorm Balkon" fand sich Raumerstraße/Ecke Dunckerstraße. Auch ein Blick auf die Karte, die dem Buch "Filmstadt Berlin" beiliegt, belegt diese Popularität. Die Filmhistorikerin Regina Aggio verbindet hier Berliner Orte mit Filmgeschichte und liefert gleich im Vorwort eine mögliche Erklärung für die Vorliebe von Filmemachern für den Prenzlauer Berg: Dort hat alles angefangen. Auf dem Dach des Hauses Schönhauser Allee 146 standen im August 1892 die Brüder Max und Emil Skladanowsky, testeten einen Apparat mit Drehkurbel und markierten damit den Beginn der Filmgeschichte in Deutschland. Aggio zufolge zeichnet Berlin etwas ganz Spezifisches aus: "das Nebeneinander von glanzvoll Modernem und Heruntergekommenem".Dabei war und ist es nicht selbstverständlich, dass Berlin-Filme in Berlin gedreht werden. Billy Wilder etwa wurde beim Dreh von "Eins, Zwei, Drei" vom Bau der Mauer überrascht; er musste das Brandenburger Tor in München nachbauen lassen. Viel wurde aber doch in Berlin gedreht, zudem war die Stadt beliebter Wohnort von Schauspielern, Regisseuren und Produzenten. Den Hauptteil von "Filmstadt Berlin" bilden Porträts von Persönlichkeiten aus über 100 Jahren Filmgeschichte; das Buch eignet sich gut als Grundlage für einen Stadtspaziergang. Vollständigkeit strebt es nicht an. Der Schuhverkäufer aus "Sommer vorm Balkon" übt diesen Beruf übrigens tatsächlich aus, in einem Geschäft in der Schönhauser Allee. Und er ist wirklich so freundlich wie im Film.Aggio, Regina: Filmstadt Berlin 1895-2006. Verlag Jena 1800 (2007), 233 S., Broschur; 19,90 Euro.