Er sieht aus wie ein Staubsaugervertreter. Zumindest so, wie man sich einen Staubsaugervertreter vorstellt. Billiger Anzug, bunte Krawatte und eine viel zu große Brille. Sein Name ist Kurt Krömer, er kommt aus Berlin, ist 30 Jahre alt, wohnt noch bei Mutti und ist von Beruf Unterhaltungskünstler. "Ich erzähle keine Witze", sagt Kurt Krömer über sich. "Ich bin der Witz." Am Sonntagabend beginnt seine neue Show im RBB-Fernsehen.Die Gäste in Kurt Krömers neuer Show können einem aber auch leid tun. Vorgespräche gibt es nicht, keiner weiß, was ihn erwartet. Der Gast klingelt an einer Tür, die Tür öffnet sich, und dann steht er in der Studiokulisse einer Neuköllner Plattenbau-Wohnung. Mitten im Wohnzimmer. Da steht dann auch Kurt Krömer, mit Opa, Mutti und seiner kleinen Schwester. Willkommen bei Krömers.Schnaps für SidoMutter Krömer, gespielt von Marie Gruber, ist eine aufdringliche Frau um die 50. Sie hält den Gästen selbstgemachte Buletten unter die Nase und nötigt sie zum Probieren. Und zwar so lange, bis sie es geschafft hat. Opa Krömer, gespielt von Achim Wolff, serviert Schnaps und langatmige Geschichten. Am Schlimmsten aber ist Kurt. Mit seinem debilen Grinsen, seiner frechen und großschnäuzigen Berliner Art stellt er oft genau die Fragen, die die Gäste lieber nicht hören wollen. So spricht er einen bekannten Ex-Boxer auch schon mal auf seine Zeit im Gefängnis an, oder er fragt einen bekannten Musiker, wie viel der eigentlich so verdient.Ein richtiges Gespräch kommt allerdings selten zu Stande. Immer wieder melden sich die anderen Krömers zu Wort. Mutti erzählt von ihren Albträumen, Opa berichtet von früher und die kleine Anja jammert, dass sie in der Schule keine Freunde hat. Aber auch das gehört zum Konzept. Das Gespräch, oder was davon übrig bleibt, findet übrigens gar nicht im Wohnzimmer statt, sondern nebenan. Durch eine Tür kommen Krömer, seine Familie und der Gast direkt vom Neuköllner Wohnzimmer auf die Bühne eines Theatersaals. Dort gibt es richtiges Publikum, professionelle Beleuchtung und eine talkshowtypische Kulisse."Bei Krömers" heißt die neue Comedy-Sendung. Es ist eine Mischung aus Familien-Sitcom und Talkrunde. Mit dabei sind jedes Mal zwei Prominente. In der ersten Folge sind das der ehemalige Boxweltmeister René Weller und der Berliner Rapper Sido. Der Rapper, den man sonst nur mit einer silber glänzenden Gesichts-Maske kennt, kommt diesmal ohne Maske, dafür aber mit einer kräftigen Alkoholfahne. Schuld daran ist Opa, der den Gast nebenan im Wohnzimmer schon mal abgefüllt hat. Mit echtem Schnaps, wie sich im Laufe des Gespräches herausstellt."Es ist wirklich super, wie die Gäste auf Familie Krömer reagiert haben", sagt Kurt Krömer nach der Aufzeichnung der ersten beiden Folgen. "Die Gäste haben zum Teil wirklich geglaubt, das wären meine Mutter, mein Opa und meine Schwester, oder sie haben verdammt gut mitgespielt." Kurt Krömer heißt eigentlich Alex Bojcan, er spielt die Rolle des Neuköllner Kiezneurotikers nun schon seit über zehn Jahren, und ein bisschen spielt er dabei auch sich selbst.Bojcan wuchs im Berliner Stadtteil Neukölln auf. Mit 17 verließ er die Schule und begann eine Kaufmannslehre bei einem Berliner Herrenausstatter. Nach nur einem Jahr schmiss er hin und entdeckte sein komisches Talent. Also tingelte er als Alleinunterhalter durch kleine Berliner Clubs. Zunächst mit nur wenig Erfolg. Über Wasser hielt sich Alex Bojcan mit Gelegenheitsjobs als Kellner, Hausmeister und Bauarbeiter.Ab 1997 ging es bergauf. Bojcan gastierte in immer größeren Theatern, deutschlandweit. Er war im "Quatsch Comedy Club", im Hamburger "Schmidts Theater" und immer wieder in den "Wühlmäusen". So richtig bekannt wurde er mit der Sendung "Bericht aus Neukölln" auf Radio Eins. 2004 bekam er seine erste eigene Fernsehsendung. "Die Kurt Krömer Show" lief bis vor wenigen Monaten erfolgreich im RBB. Und spätestens mit dem Programm "Na Du Alte Kackbratze" sorgte Alex Bojcan alias Kurt Krömer für Aufsehen. In jeder Hinsicht.Statt einen Gag nach dem anderen zu reißen, bringt Kurt Krömer sein Publikum zum Lachen, indem er fast gar nichts macht. Außer sich ein bisschen doof stellen. Er ist ein fröhlicher Nichtskönner, der harmloser erscheint als er ist. Und der sagt, was er denkt. Manchmal spricht er auch, bevor er denkt. Aber was er macht, macht er gut.Als Krömer sich im Sommer mit einem "Mach's gut, Nachbar" von seinem Fernsehpublikum verabschiedete, hatte er gar keinen Grund aufzuhören. Die "Kurt Krömer Show" wurde in fast allen anderen dritten Programmen der ARD ausgestrahlt, vor ein paar Wochen erst hat er den Deutschen Comedy-Preis als bester Newcomer bekommen. Sogar der große Harald Schmidt hat ihn in seine Sendung eingeladen. "Mensch, Sie haben doch sonst gar keine Gäste mehr", sagte Krömer zu Schmidt. "Sie sind kein Gast, sondern jemand, den wir richtig gut finden", antwortete der. Und Krömer war richtig gut, besser als sein Gastgeber."Ich bin nicht mehr so allein"Trotzdem wollte Krömer seine Show nicht weitermachen. Er wollte etwas anderes probieren. Etwas Neues. Dann schlug ihm der RBB dieses Format vor. "Ich war total begeistert. Einerseits, weil es mein Wunsch war, auch mal etwas länger mit den Gästen zu reden. Das war in der anderen Show nicht möglich", sagt Krömer. "Und ich bin nicht mehr so allein. Meine Familie finde ich echt klasse. Ich rede die Leute auch in den Drehpausen gar nicht mehr mit ihren Namen an. Ich sage nur noch ,Ja, Mutti'."Und wie rufen ihn seine richtigen Eltern? "Für die bin ich och schon Kurt."------------------------------Der Weg zum ErfolgSeine ersten Auftritte hatte Kurt Krömer Anfang der Neunzigerjahre in kleinen Berliner Clubs. Erfolgreich war er leider nicht. An den meisten Abenden spielte er vor vier Leuten, an guten Abenden waren es acht. Heute spielt er in großen Häusern in ganz Deutschland, seine Auftritte sind schon ein halbes Jahr zuvor ausverkauft.Für seine neue TV-Show hat er sich Unterstützung geholt. Gemeinsam mit Mutter, Opa und seiner Schwester begrüßt er pro Sendung zwei prominente Gäste. Zwei Folgen wurden bereits gedreht, vier weitere sind geplant.Bei Krömers, diesen und nächsten Sonntag, 22.30 Uhr, RBB.------------------------------Foto: Dieser Mann heißt Kurt Krömer. Sieht furchtbar aus und benimmt sich auch so. Ist aber ungeheuer komisch.