Es gibt Veranstaltungen, da nimmt man in Kauf, wenn die Show nicht wirklich perfekt ist. Bei einer Hochzeit etwa erwartet niemand eine professionelle Darbietung, wenn Verwandte und Bekannte des Brautpaares einen Sketch zum Besten geben. In der Ufa-Fabrik wurde letzte Woche die Open-Air-Saison mit dem "Sunset Varieté" eröffnet, und bisweilen lag das Niveau des Abends nicht höher als bei einer billigen Alleinunterhaltershow für Vermählungsfeiern. Der Regisseur und Conférencier der Veranstaltung, Kurt Krömer, wird bisweilen als Trash-Kabarettist bezeichnet, weil er sich an keine Form hält und immer ein wenig daneben sein will. Mit seiner Show "Körperwelten II" hat er den Bogen überspannt. Varieté ohne Glamour zu präsentieren, mag ja noch angehen. Doch gute Künstler durch eine lieblos zusammengeschusterte Wohnzimmerkulisse zu jagen und sie ständig mit gespieltem Widerwillen anzusagen, geht zu weit. Richtig bitter, weil beinahe schon erniedrigend, wird es, als die kubanische Showtänzerin Tania La Cubana durch Krömers Junggesellenbude tanzen muss. Diese Art von Darbietung gehört eher in das plüschige Ambiente eines Nachtclubs als auf das Gelände der UFA-Fabrik. Die Frau, die mit Tropenobstgesteck im Haar ihr Bestes gab, wurde ausgelacht. Die Szene erinnerte an die Bilder von Jahrmarktsveranstaltungen vergangener Jahrhunderte, bei denen "echte Neger" als exotische Attraktion vorgeführt wurden. Die Artisten und die außergewöhnliche Stimme der Sängerin Vivien Coutino Azhares waren es, die den Abend nicht gänzlich zur Katastrophe werden ließen. Die Tuchakrobatik der Sabine Friebe war ebenso beeindruckend wie die Kraftakrobatik des Duos Two in One. Gutes Kabarett gab es an diesem Abend nicht. Bei einem vorgelesenen Sketch über den Besuch bei der Oma im Altersheim ist der größte Gag das Schimpfwort "Pfeifenzeisig". Dass die verkalkte Großmutter ihren Enkel Kurt mit irgendwelchen Namen anredet, nur nicht mit dem richtigen - das sind genau die Pointen eines schlechen Seniorenwitzes. Wer darüber lachen kann, den darf man als sehr dankbaren Zuschauer bezeichnen. Gut kam auch die Nummer über eine Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule an, bei der sich ein gescheiterter Witzeerzähler bewirbt, der sein Vorsprechen mit dem Satz "Hackepeter wird Kacke später" beginnt. Das ist Krömers Niveau. Körperwelten II bis 27. August, Mi-Sa 20 Uhr, Ufa-Fabrik, Viktoriastr.10.