Schlipsträger im Anzug und parfümierte Damen in Seidenblusen fahren auf der Rolltreppe dem Großen Saal im ICC entgegen. Chris Rea gastiert, der Mann fürs gesetzte Rockpublikum. Mit seinem schwarzen T-Shirt, der ausgebeulten Hose ist Rea wahrscheinlich der schlechtangezogenste Mensch an diesem Dienstag abend. Rasiert hat er sich auch nicht. Rauh, aber romantisch die Leute mögen das.Der Beginn ist recht verhalten. Chris Rea läßt zwar seine Slide-Gitarre heulen, doch eine Drum-Maschine läßt den Sound steril wirken. Atmosphäre kommt da nur schwer auf. Bei seinem Klassiker "On The Beach" wirkt Chris Rea nicht wie ein romantischer Strandflaneur, sondern wie ein Pauschaltourist. Bei "Josephine" läßt er zu, daß das Publikum den Song völlig zerklatscht. Erst als die Rhythmusmaschine vom Schlagzeuger Martin Ditcham abgelöst wird, Chris Rea seine Slide-Gitarre pur wirken läßt, können seine Stücke ihre assoziative Kraft entfalten. "Shadows Of The Big Man", ein majestätischer Song seines neuen Albums "The Blue Café", hat fast schon mystische Momente, läßt einen Western-Film im Kopf ablaufen. Mit "Square Peg, Round Hole" und natürlich "The Road to Hell" ist Rea endlich der bluesige Rocker, jenseits vom Kuschelrock.Jetzt klingt seine Gitarre bedrohlich und schneidend, er vermittelt das Gefühl einer Höllenfahrt einmal Hölle und zurück. Dann veranstaltet Rea noch ein bißchen Party, animiert den Saal bei "Let s Dance" zum Hüftenschwenken und verschwindet schnell. Als wollte er sein reifes Publikum nicht überfordern.