Landesamt hält das Baden dennoch überall für unbedenklich: Berliner Seen schneiden im EU-Test schlecht ab

Wenige Wochen vor der Badesaison hat die EU-Kommission den Berliner Badegewässern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Nach den Daten der Brüsseler Behörde war die Qualität des Wassers im Jahre 2001 in neun der 19 Berliner Seen und Strandbäder unzureichend. In acht Gewässern verschlechterte sich die Situation im Vergleich zum Jahr 2000, nur in drei Fällen besserte sich der Zustand des Wassers.Gegen den BundestrendDamit entwickelte sich die Qualität der Berliner Seen entgegen dem deutschen Trend. Bundesweit genügen 93,6 Prozent der 1 602 Badeseen den Anforderungen der EU, dies ist der höchste Stand seit 1992. Die deutschen Küstengewässer stehen noch besser da: Sie erfüllen die europäischen Auflagen zu 99,3 Prozent. In ihrem jährlichen Bericht über die Qualität der europäischen Badegewässer prüft die Brüsseler Kommission die Verunreinigung von Seen und Küstengewässern mit Bakterien, Mineralölen, Tensiden und Phenolen. Eine überhöhte Belastung mit Bakterien kann nach Ansicht der EU-Experten Magen-Darm-Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege auslösen und so Familien den Sommerurlaub verderben. Grund für die Verschmutzung seien meist unzureichend geklärte Abwässer, hieß es.Eine unzureichende Wasserqualität hatten der Studie zufolge in Berlin die Badestelle Grunewaldsee, das Freibad Halensee, das Freibad Plötzensee, das Freibad Tegeler See, der Kleine Müggelsee. Außerdem wiesen das Strandbad Grünau, das Strandbad Wendenschloß sowie die Badestelle Konradshöhe/Bürgerablage und das Seebad am Weißen See mangelnde Qualität auf.Bei ihrer Studie sind die Brüsseler Experten auf die Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden angewiesen. Diese müssen ihre Messergebnisse an die Kommission melden. "Wir haben also Messwerte vom Ende der vergangenen Saison weitergegeben, sie sind also nicht aktuell", erklärte der Sprecher des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi), Robert Rath am Mittwoch. Die Berliner Behörden hätten vor vier Wochen an 45 Badestellen mit regelmäßigen Messungen begonnen und durchweg gute Wasserqualitäten gemessen, sagte Rath. "Die Berliner können überall völlig unbesorgt ins Wasser gehen."Das schlechte Abschneiden beim EU-Vergleich kann er sich nicht so recht erklären. "Möglicherweise sind durch Regenfälle mehr Kleinstlebewesen wie Insekten und Blattläuse ins Wasser geraten und haben durch ihren Zersetzungprozess die Wasserqualität beeinträchtigt." Über Einleitungen von Chemikalien habe man keinerlei Erkenntnisse. Auch Verunreinigung durch Badegäste und auch Hunde, die sich in Berlin häufig im Wasser tummeln, fielen bei der Veränderung der Wasserqualität nur wenig ins Gewicht. Nach den Daten der EU ist das Wasser vor den Stränden Belgiens, Griechenlands, Deutschlands und Spaniens besonders sauber. Auch vor den Küsten der italienischen Urlaubsziele hat sich der Zustand des Wassers stetig verbessert. Die Qualität der italienischen Badegewässer sei so gut wie nie zuvor, heißt es in der Studie. In Finnland hingegen ist die Qualität der Küstengewässer vor mehr als zehn Prozent der Strände unzureichend. Bei den Badeseen schneiden Irland und Großbritannien besonders gut ab. Schlusslicht ist Portugal: Hier sind mehr als 15 Prozent der Seen nicht zum Baden geeignet.Strengere AuflagenInsgesamt zeigte sich EU-Umweltkommissarin Margot Wallström mit den Ergebnissen der Studie zufrieden. Die Untersuchung bestätige "einen anhaltenden Trend zu einem verringerten Infektionsrisiko" vor den europäischen Küsten. In wenigen Wochen will die EU-Kommission noch strengere Auflagen für die Überwachung der Badegewässer vorschlagen. Danach sollen die Messdaten noch detaillierter und schneller nach Brüssel übermittelt werden. EU-Bürger könnten sich dann im Internet über die neuesten Testergebnisse informieren.Die EU-Studie gibt es im Internet unter: www.europa.eu.int/water/water-bathing/report. Das Lagetsi informiert mit einer Badegewässerkarte, sie ist unter www.lagetsi.berlin.de zu finden. Außerdem gibt es eine Telefon-Hotline 90 21 60 00.Messwerte // Die Europäische Union veröffentlicht alljährlich zu Beginn der Badesaison einen Bericht über die Qualität der Badeseen aller Mitgliedsländer.Grundlage sind Messwerte aus Stichproben, die die örtlichen Behörden an einem bestimmten Tag gegen Ende der Vorsaison entnommen haben.Die Berliner Behörden messen selbst auch die Qualität des Wassers. Alle zwei Wochen werden die Werte aktualisiert.Die Zuständigkeiten sind klar verteilt. Für stehende Gewässer sind die Bezirke zuständig, für "Fließstellen" das Lagetsi.