Magdeburg - Die Grünen in Sachsen-Anhalt wollen das Kürzen der Schnäbel von Legehennen, Enten und Puten verbieten. Ein Antrag dazu werde kommende Woche in den Magdeburger Landtag eingebracht, sagte Fraktionschefin Claudia Dalbert am Donnerstag nach einer Klausurtagung der Fraktion.

In der Massentierhaltung werden die Schnäbel nach Angaben der Grünen in vielen Betrieben auch in Sachsen-Anhalt gekürzt. Damit solle Kannibalismus unter den Tieren verhindert werden. Laut Dalbert müssten die Tiere dann zugleich mehr Platz bekommen.

«Das Anliegen ist grundsätzlich berechtigt und war auch Thema der vorletzten Agrarministerkonferenz», erklärte der Sprecher des Magdeburger Umweltministeriums, Detlef Thiel. Für eine praxisgerechte Lösung müssten aber Wissenschaft und Wirtschaft einbezogen werden. «Deswegen sollte der Zeitpunkt eines Ausstiegs aus dem Schnabelkürzen diskutiert werden.»

Die Gütesiegelorganisation KAT, die für die Kennzeichnung von Eiern im Einzelhandel zuständig ist, will von 2017 an das Kürzen von Schnäbeln verbieten. Die Grünen verlangen darüber hinaus allerdings ein generelles Verbot ohne Ausnahmen. Damit solle sichergestellt werden, dass auch Hühner, die Eier für die Lebensmittelindustrie produzieren, ihre Schnäbel behalten.

Der Geflügelwirtschaftsverband von Sachsen-Anhalt lehnte den Vorstoß ab. Es gebe erhebliche Probleme bei der Umstellung. Man wolle aber ausloten, was möglich sei, sagte der Verbandsvorsitzende Werner Gutzmer. Das Vorhaben der Organisation KAT sei nicht mit den Produzenten der Eier abgesprochen. Eine Unterscheidung zwischen Eiern für die Supermärkte und für die Industrie gebe es ohnehin nicht. «Das Industrie-Ei ist kein anderes als beim Frühstück.»

Gutzmer bezweifelte zudem, dass die erwarteten Mehrkosten von vier Cent pro Ei von den Verbrauchern tatsächlich getragen würden. Die Supermarktketten machten vielmehr Druck auf die Einkaufspreise. «Wir müssen das ausbaden», sagte Gutzmer.

Nach Angaben der Grünen haben Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen das Kürzen der Schnäbel ab Anfang 2017 bereits verboten. «Das Schnabelkürzen ist sehr schmerzhaft für die Tiere und schränkt zudem die Funktion des Schnabels ein. Ziel muss es sein, das Schnabelkürzen aus Tierschutzgründen schnell zu beenden», heißt es in dem Antrag der Landtagsfraktion. Die Landesregierung müsse sich für eine Veränderung der Haltungsbedingungen einsetzen, damit Verhaltensstörungen wie Kannibalismus nicht mehr aufträten. (dpa/sa)