Heute abend soll es soweit sein: Nach fünf Jahren Arbeit wird im Berliner Tempodrom in Anwesenheit des Dalai-Lama die Internationale Sommmeruniversität eröffnet, die Vorstufe zur Friedensuniversität, die am 1. Oktober gegründet werden soll. "Fächerübergreifend" soll sie sein, "Wissenschaft und Kultur miteinander vernetzen" und ganzheitliche Perspektiven bieten. So jedenfalls klingt es, wenn der Vorsitzende der "Fördergemeinschaft zur Gründung der Friedensuniversität" (FGF), der ehemalige Schriftsteller und Horoskope-Vertreter Uwe Morawetz, von seinem Traum erzählt. Keine guten Kontakte Doch schon im Vorfeld gab es immer wieder Ärger um die Geschäftsmethoden der FGF. Bereits im Herbst l992 wollte die Friedensuni, die sich damals noch mit dem Beinamen Potsdams schmückte, in die Räume der Potsdamer Universität. In Pressemeldungen wies man immer wieder auf die guten Kontakte zu brandenburgischem Wissenschaftsministerium und Potsdamer Uni hin. Doch dort wollte man von der privaten Initiative gar nichts wissen. "Die Friedensuniversität ist eine Institution, die ihre Seriosität erst noch unter Beweis stellen muß", erklärte Ferdinand Nowak, Sprecher des Wissenschaftsministeriums, bereits damals. Stolpe vereinnahmt Tauchten doch im Beirat der FGF jede Menge Prominente auf, die von ihrer Tätigkeit für diese Initiative gar nichts wußten. Edzard Reuter und Manfred Stolpe gehörten dazu. Thomas Gandow, dem streitbaren Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche Berlin/Brandenburg, fiel noch etwas anderes auf: "Bei der Friedensuniversität handelt es sich um ein esoterisch-kommerzielles Unternehmen", vermutet er.FGF-Vorsitzender Morawetz war in der Berliner Esoterik-Szene kein unbeschriebenes Blatt. In Potsdam hatte er ein Festival der Schamanen und Kristallheiler mit dem Titel "Die Kraft der Visionen" organisiert. Die Veranstaltung schloß mit einem Defizit von 350 000 Mark.Ein Defizit der FGF in genau dieser Höhe ergab eine Buchprüfung im Herbst 1994. Der gesamte Vorstand der FGF, außer Uwe Morawetz, trat daraufhin zurück.Im Januar dieses Jahres wurde dann ein ungefähres Programm der Sommeruniversität vorgestellt, das von prominenten Referenten nur so strotzte. Doch wieder waren die meisten dieser Promis über ihr Engagement nur unzureichend informiert. Ignatz Bubis, Günter Jauch und andere erinnerten sich zwar an ein Morawetz-Schreiben, das sie freundlich beantwortet hatten, als Referenten zugesagt hatten sie jedoch nicht.Weitere Merkwürdigkeiten wurden bekannt. So ist ein Unterstützer der FGF die schottische Findhorn Foundation. Einer der geistigen Väter dieser Vereinigung preist den atomaren Holocaust. Mit Paulos Mar Gregorius und Huston Smith sind auch zwei Referenten dabei, die in enger Beziehung zur Vereinigungskirche des koreanischen Referenten Mun stehen. Zwar leugnen beide, etwas mit der faschistoiden Mun-Sekte zu tun zu haben, in den Büchern der Sekte liest sich dies jedoch anders. Gregorius wird hier als Veranstalter von Mun-Seminaren genannt, er ist Schirmherr von Veranstaltungen und redaktionelles Mitglied der Mun-Zeitung, Smith ist ebenfalls Veranstalter, Schirmherr und aktiver Mitarbeiter im Jugendbereich der Vereinigungskirche.Der Dalai-Lama schließlich - Morawetz nennt ihn seinen spirituellen Lehrer - stand bis zum Früjahr dieses Jahres in ständiger Verbindung zur Aum-Sekte, die für die Giftgasattentate in der Tokioter U-Bahn verantwortlich zeichnete. Süssmuth ist dabei Auch andere Prominente unterstützen die FGF. Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat ein Grußwort beigesteuert, Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hält einen Vortrag und mit John Polanyi, Leon Cooper und John Nash, allesamt Nobelpreisträger in unterschiedlichen Disziplinen, sind auch einige anerkannte Wissenschaftler Referenten der Sommeruni. Das Rückgrat jedoch bilden Heilpraktiker wie Mechthild Scheffer, Astro-Esoteriker wie Arnold Graf Keyserling und Geistheiler wie Kurt Tepperwein. +++