Um seinen Namen ranken sich seit vielen Jahren die Gerüchte. Als Sklavenhalter und Ausbeuter wurde er beschimpft. Nun soll er sogar mit der russischen Mafia zusammenarbeiten. "Sie wollen mich kleinkriegen", sagt Volker Wagner. Der Grundschullehrer aus dem westfälischen Detmold stieg in den 90er Jahren zu einem der erfolgreichsten Manager der internationalen Langlaufszene auf. Und gräbt damit vielen Professionellen das Wasser ab. "Ich verderbe ihnen das Geschäft, das lassen sie sich nicht gefallen", beklagt der 48jährige die anhaltende Rufmordkampagne. Denn sportlich sind Wagners Athleten - zumeist Kenianer - speziell auch in dieser Frühjahrssaison kaum zu bremsen. Tegla Loroupe siegte beim Rotterdam-Marathon, Joyce Chepchumba triumphierte in London, Lornah Kiplagat rannte nach den 42,195 km in Los Angeles als Erste ins Ziel. Dazu kommen Siege und Plätze bei kürzeren Straßenläufen in den USA und Europa. Jüngst bei den 25 km von Berlin hatte er drei Aktive dabei. "Seine" Frauen Lornah Kiplagat und Susan Chepkemai sorgten für einen Doppelerfolg, Benson Lokorwa wurde Zweiter bei den Männern. Die Geschichte mit der russischen Mafia habe ihn eine durchaus wohlgesonnene Veranstalterin aus den USA erzählt. Sie sei gewarnt worden, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten, berichtet der Detmolder von einem Anruf Ende März. Wagner sieht sich den Verleumdungen ziemlich hilflos gegenüber: "Je heftiger ich dementiere, um so mehr trage ich die Gerüchte in die Öffentlichkeit." Lange Zeit kursierten auch Vorwürfe, er nutze die Kenianer als seine laufenden Sklaven und habe sie auch entsprechend untergebracht. Die Polizei soll deshalb schon mehrmals vorstellig geworden sein. Tegla Loroupe, vor Jahresfrist in Berlin als weltbeste Straßenläuferin 1995 ausgezeichnet, hatte das schon damals heftig bestritten: "Wir haben noch keinen Polizisten in unserem Camp gesehen." Wagner hat im zehn Kilometer von Detmold entfernten Diestelbruch zwei Häuser einer früheren Feriensiedlung gekauft. Kein First-class-Hotel, gibt er zu. "Aber die Athleten sind hier, um zu verdienen, damit sie in der Heimat ihren Familien ein besseres Leben ermöglichen können." Zumeist kommen die Kenianer zur Rennsaison für drei bis vier Wochen nach Diestelbruch. So wie Lokorwa. Der 26jährige hat in Nairobi noch einen Job als Gefängniswärter, für etwa 60 Mark monatlich. In Berlin kassierte er auf einen Schlag 5 000. Zehn bis 15 Läufer wohnen jeweils im Camp, insgesamt gehören an die 30 zu seinem Stab."Von Sklavenhalter kann gar keine Rede sein", weist auch Christoph Kopp, der sportliche Leiter des Berlin-Marathons, die Vorwürfe zurück. "Wagner ist vielmehr ein Sportverrückter, der für seine Athleten alles tut." Was Kopp mitunter schon ärgert. Denn: "Er schleppte in der Vergangenheit meist mehr Läufer an als vereinbart. Er wollte eben, daß möglichst alle seine Schützlinge die Chance haben, etwas zu verdienen." Wagner selbst hat keine Reichtümer angehäuft. "Wenn das so wäre, hätte ich mich vom Schulamt längst beurlauben lassen. Doch ich brauche das feste Einkommen, um die Zinskredite für die Häuser abzubezahlen", umreißt der Lehrer für Mathematik und Sport seine finanzielle Situation. Die professionellen Manager würden es gern sehen, wenn der Schuldirektor seinem Untergebenen den Nebenjob verböte. Doch der sieht keinen Grund dafür: Denn Volker Wagner ist selbst nach seinen weitesten Wochenendausflügen - zuletzt New York und Los Angeles - rechtzeitig zurück. "Mein Stundenplan am Montag beginnt zum Glück erst um 11 Uhr." +++

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