KÖLN/BERLIN, 7. September. Es scheint, als seien Max und Moritz selbst am Werk gewesen: Die Erstausgabe von Wilhelm Buschs Kinderbuch-Klassiker beginnt mit einem Druckfehler. "Ach, was muss man oft von bösen Kinder hören oder lesen!", heißt es auf der ersten Seite des grauen Pappbands, der am 21. September in Köln versteigert werden wird.Für sensationelle 205 000 Mark war bei einer Auktion im vergangenen Herbst ein weiteres Original-Exemplar von 1865 verkauft worden Rekord für ein Kinderbuch. "Die ließen nicht locker", erinnert sich Karl-Heinz Knupfer vom Auktionshaus Venator & Hanstein an die immer höheren Gebote der Sammler. Vor der Versteigerung war der Wert der weltberühmten Lausbuben-Geschichte auf nur 24 000 Mark geschätzt worden. Die jetzt zum Verkauf stehende Ausgabe (Mindestgebot: 75 000 Mark) ist in dieser Woche in der Berliner Niederlassung des Kunsthauses Lempertz zu besichtigen. Die Chance, in Ur-Opas Holztruhe auf dem Dachboden vielleicht selbst noch einen der wertvollen Bände zu entdecken, ist inzwischen gering. "Die meisten wurden zerlesen und weggeschmissen", weiß Knupfer. "Es kann allerdings auch passieren, dass mal eines für zwei Mark auf dem Flohmarkt verkauft wird."Ein später BestsellerDabei hatte Wilhelm Busch, der Erfinder der beiden Quälgeister, zunächst sogar Schwierigkeiten gehabt, einen Verlag zu finden. Ein Freund riet ihm ab, die Erlebnisse der bösen Buben überhaupt zu veröffentlichen. Für schlappe 1 000 Gulden trat der noch weitgehend unbekannte Zeichner schließlich sämtliche Rechte an den Münchner Verleger Kaspar Braun ab; die Zeichnungen für den Holzschnitt musste er selbst seitenverkehrt auf die Vorlagen übertragen.Die Streiche, die Max und Moritz ihren spießigen Opfern Witwe Bolte, Schneider Böck und Lehrer Lämpel spielen, stießen zunächst auf geringes Interesse bei den Lesern. Nur langsam entwickelte sich das Buch zum Bestseller. Längst gibt es Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen, Verfilmungen sowie diverse wissenschaftliche Arbeiten über "Max und Moritz". Bereits im Jahr 1906 galten die rund 4 000 gedruckten Exemplare der Erstausgabe als Rarität. Als er von einem Sammler gefragt wurde, wie denn noch ein Originalband zu ergattern sei, zeigte sich Busch ratlos: "Ich selber besitze keins."Zu erkennen sind die wertvollen Exemplare an den zarten Farben, die noch per Hand aufgetragen wurden und an den Druckfehlern. Nach dem Grammatik-Schnitzer im ersten Satz schlägt der Fehlerteufel noch einmal zu, als der Müller den beiden Helden schließlich das Handwerk legt: Statt "fein geschroten und in Stücken" heißt es dort "geschroben". In der Nachkriegszeit haben nur schätzungsweise sechs Exemplare der Erstausgabe ihren Besitzer gewechselt. "Möglich ist aber auch, dass das gleiche Buch mehr als einmal verkauft wurde", sagt Buch-Experte Knupfer. Noch seltener ist die Orginalausgabe eines anderen weltbekannten deutschen Kinderbuchs: des 1847 erschienenen "Struwwelpeter". Das Buch mit den grausamen Geschichten von Suppen-Kasper & Co. wurde zuletzt in den 1920er Jahren gehandelt. "Das wäre heute noch wertvoller als Max und Moritz", meint Knupfer.VERSTEIGERUNG Sieben teure Streiche // Bei der Auktion am 21. September in Köln steht laut Katalog ein "gering finger- und braunfleckiges, insgesamt sehr gut erhaltenes Exemplar" zum Verkauf.Witwe Bolte ist das Opfer der ersten beiden Streiche in Buschs Erzählung. Max und Moritz erwürgen "das liebe Federvieh" der Dame und verspeisen anschließend den Braten.Für Schneider Böck sägen die Lausbuben "ritzeratze, voller Tücke, in die Brücke eine Lücke". Lehrer Lämpels Pfeife stopfen sie mit "Flintenpulver", Onkel Fritz kriegt Maikäfer ins Bett.Meister Bäcker kann Max und Moritz fast unschädlich machen, doch die beiden fressen sich durch den Teig. Für das Ende der Streiche sorgt Meister Müller.