BAIA MARE, im April. In Nordrumänien fließen aus Staubecken von Bergwerksbetrieben noch immer große Mengen Zyanide und Schwermetall-Abwässer aus. Das haben Experten des Technischen Hilfswerkes festgestellt, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Folgen der Zyanid- und Schwermetall-Unfälle in Nordrumänien von Ende Januar und Anfang März untersuchen. So gelangten in der nordrumänischen Stadt Baia Mare Zyanide aus den Abwasserbecken der australisch-rumänischen Gold- und Silberbergwerksfirma Aurul sowie aus stillgelegten Abwasserbecken in die umliegenden Flüsse Sasar, Lapus und Somes. Die zuständigen rumänischen Behörden hatten dies bisher abgestritten. Auch das Bergwerk Baia Borsa, rund 100 Kilometer östlich von Baia Mare, das der staatlichen rumänischen Schwermetall-Firma Remin gehört, verseuche die umliegenden Flüsse Novat und Viseu kontinuierlich mit Zyaniden und Schwermetallen. Im Fall des Bergwerks in Baia Borsa haben die rumänischen Behörden bislang verschwiegen, dass dort überhaupt Zyanide lagern.Bei der Firma Aurul in Baia Mare waren Ende Januar 100 000 Kubikmeter zyanid- und schwermetallhaltiger Abwässer ausgeflossen und hatten in Theiß und Donau ein Fischsterben ausgelöst. In Ungarn, Serbien und Rumänien gefährdete der Unfall die Trinkwasserversorgung für mehrere hunderttausend Menschen. In Baia Borsa waren Anfang März bei drei Unfällen mehr als 20 000 Tonnen zyanid- und schwermetallhaltige Abwässer ausgeflossen und in die Theiß und die Donau gelangt. Nach beiden Unfällen hatten rumänische Behörden die Belastung der Umwelt mit Zyaniden und Schwermetallen heruntergespielt. "Die Messungen wurden nicht mit entsprechender Sorgfalt durchgeführt", sagte der Leiter des Referats Internationale Zusammenarbeit im Bundesumweltministerium, Thomas Stratenwerth, der "Berliner Zeitung". "Außerdem besteht offenbar eine kontinuierliche Umweltbelastung mit Zyaniden". Stratenwerth hatte Mitte März zusammen mit Umwelt-Staatssekretärin Gila Altmann die Unglücksorte in Rumänien besucht. Der Leiter der Expertengruppe vom Technischen Hilfswerk, Basil al-Naqib, sagte der "Berliner Zeitung", dass die Zyanid- und Schwermetall-Belastung, die seine Gruppe gemessen habe, deutlich höher läge als die Werte, die rumänische Behörden angeben. Rumänische Experten arbeiteten unsachgemäß und nach international nicht gültigen Standards. Die Zyanidbelastung in der Region sei zwar nicht so hoch wie unmittelbar nach den Unfällen im Januar und März, läge aber deutlich über den Grenzwerten, so al-Naqib.Zum Zyanid- und Schwermetallunfall in Baia Mare liegt inzwischen auch der Bericht einer Expertengruppe des UN-Umweltprogramms (Unep) vor, die Ende Februar vor Ort Ursachen und Folgen des Unglücks untersucht hat. Bei dem Unfall im Januar seien zwischen 50 und 100 Tonnen Zyanide ausgeflossen, sagte der Leiter der Gruppe, Fritz Schlingemann, bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Genf. Verantwortlich für den Unfall waren laut Unep-Bericht Konstruktionsfehler der Abwasserbecken, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und schlechtes Wetter. So hätte die Firma Aurul, die das Bergwerk betreibt, keine Sicherheitsmaßnahmen für den Fall eines plötzlichen Wasseranstieges in den Abwasserbecken getroffen.Laut Unep-Bericht ist die gesamte Region um Baia Mare als toxisch einzustufen. Für die Bewohner um die Abwasserbecken bestehe eine langfristige Gesundheitsgefahr. Die Belastung der Region um Baia Mare mit Zyaniden und Schwermetalllen sei allerdings keine unmittelbare Folge des Unfalles, sondern Ergebnis einer kontinuierlichen Verseuchung. Um ähnliche Unfälle in Zukunft zu verhindern, empfiehlt der Bericht einen Umbau des Bergwerkes in Baia Mare. In Zukunft sollten die Betreiber vor allem weniger giftige Materialien verwenden. Weitere Informationen des Unep im Internet unterwww.natural-resources.org/environment/BaiaMare/ÖKOSYSTEM Bedrohte Theiß // Nach der Zyanid-Katastrophe im Januar ist die Theiß biologisch tot. Seltene Fisch- und Fischotterarten gelten als ausgerottet.Experten schätzen, dass die Theiß sich erst in zehn bis zwanzig Jahren von den Schäden erholt haben wird. Das Öko-System des Rheins war nach einem ähnlichen Chemie-Unfall 1986 erst nach zehn Jahren wiederhergestellt.