Haben es denn die Juden in Deutschland noch immer nicht begriffen? Muss man ihnen wirklich alles immer und immer wieder erklären, bis sie endlich verstanden haben und also schweigen? War es ihnen seit Beginn der Debatte vor 17 Jahren tatsächlich nicht klar, dass das zu errichtende Denkmal für die ermordeten Juden Europas keineswegs ein Ort der Erinnerung an Schuld und Verbrechen sein würde, keine Gedenkstätte, nicht einmal ein Kunstwerk, sondern ein sakraler Raum, in dem die Hohepriesterin Edith, selbst genannt Lea, Rosh die Anbetung der gleichnamigen Göttin besorgt? Wenn an diesem Ort die Hohepriesterin spricht, dann haben die Besprochenen - die Juden, die lebenden und die toten -, gefälligst zu schweigen. Wird hier ein Gottesdienst gefeiert - und hier wird seit Jahren, schon lange vor der Eröffnung nie etwas anderes gefeiert -, dann mögen die Juden Gebete murmeln, so lange und so viel wie sie wollen, aber angebetet wird hier einer nur, genauer gesagt: eine.Bisher galt Lea Rosh lediglich - wie das Magazin der Süddeutschen Zeitung vor kurzem bündig zusammenfasste - als "fanatisch, herrschsüchtig, einschüchternd, ignorant, unnahbar". Sie durfte, sie musste - bei allem verdienstvollen Engagement für die Entstehung des Holocaust-Mahnmals - als peinliche Figur betrachtet werden, die sich in ihrem öffentlich zelebrierten Schmerz über die Judenvernichtung von keinem Juden übertreffen ließ. Als sie Peter Eisenman, den jüdischen Architekten des Mahnmals, einmal bei einer unvorsichtigen Bemerkung ertappte, hielt sie ihm vor, seine Eltern seien nicht im Holocaust ermordet worden, weshalb es ihm an der gebotenen Sensibilität gebreche. An die ins äußerste getriebene Unverschämtheit, die in diesen Worten einer nichtjüdischen Deutschen lag, an ihre unirritierbare Kaltschnäuzigkeit, einem Juden und dessen Eltern das Überleben im Holocaust samt den beklagenswerten Folgen vorzuhalten, hatten sich jüdische und nichtjüdische Deutsche im Verlauf der Jahre immerhin fast gewöhnt.Nun aber ist es höchste Zeit, Hohepriesterin und Gottheit aus dem Tempel zu peitschen.Die Schamlosigkeit, mit der sich Lea Rosh im Wortsinn einen Dreck um den religiösen Ritus der Juden schert und einen von ihr höchst persönlich in einem KZ unterschlagenen Backenzahn in einer der 2 711 Stelen "beizusetzen" wünscht, die pathologische Indolenz, mit der sie auf den Protest nicht nur des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Jüdischen Gemeinde in Berlin reagiert und auf das Unbedenklichkeitszeugnis eines Rabbi verweist, als bezeugte nicht schon der erbitterte Protest die Bedenklichkeit - das hätte schon genügen müssen, um ihr endlich das Handwerk zu legen. Doch wurde es ihr nicht gelegt, so wird es folgerichtig kriminell: Lea Rosh hat Paul Spiegel, dem Vorsitzenden des Zentralrats, empfohlen, er solle sich gefälligst über den jüdischen Ritus "besser informieren". Hoffentlich wird er dann begreifen, dass sechs Millionen Juden nicht umsonst gestorben sind, wenn ein Backenzahn dank der Segnung Roshs als Reliquie in einer Stele überlebt.Lea Rosh ist nicht verrückt. Das ist keine gute Nachricht, im Gegenteil, es ist das Problem. Wäre sie verrückt, könnte man sie getrost als anerkannte Närrin weiterhin gewähren lassen. Selbst ihre vorletzte Ankündigung, den Backenzahn "heimlich" in das Denkmal einzulassen - ein Verbrechen im Dunkel der Nacht ist bekanntlich eine sakrale Handlung -, und ihre letzte, noch ein wenig damit zu warten, ließen sich dann mit einem Achselzucken ertragen. Aber sie ist keine Närrin, ihre Schuldfähigkeit steht außer Frage. So lautet das Urteil: Lea Rosh ist die hässlichste Deutsche dieser Tage. Ihr Wort ist uns Ekel und eine Qual und eine Schande ist sie jedem, der fühlt.

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