Mit der Ehrung von Soldaten tun sich die Deutschen nicht nur am Volkstrauertag schwer. Er läuft geradezu sinnentleert mit dem ewig gleichen Ritual ab: Totengedenken für alle Opfer, Rede, Lied für den guten Kameraden, Kranz ablegen, Feierabend. Wenig öffentliche Beachtung finden auch der neu eingeweihte „Wald der Erinnerung“ für gefallene Soldaten und das Ehrenmal der Bundeswehr, das vor fünf Jahren am Rande des Verteidigungsministeriums errichtet wurde. Ein Wunder ist das sicher nicht, schließlich leben wir in einem Land, das einen Weltkrieg allein begonnen hat und einen anderen wesentlich mitverschuldete. Mit der Kapitulation im Zweiten Weltkrieg endete – zum Glück – auch eine lange militaristische Tradition deutscher Politik. Erst einmal gab es kein Militär mehr, dann lange Zeit keine Einsätze und daher gar keinen Grund, sich über dessen Verdienste oder Opfer groß Gedanken zu machen.

Das ist längst anders. Seit dem Ende des Kalten Krieges werden deutsche Soldaten wieder im Ausland eingesetzt. Schon kurz vor der deutschen Einheit unterstützte die Marine den Kampf der Alliierten Streitkräfte im Zweiten Golfkrieg mit Minenabwehrkräften im Mittelmeer. 1999 fällte die rot-grüne Bundesregierung die schwerwiegende Entscheidung, die Luftwaffe im Kosovo-Krieg einzusetzen. Aus ihrer durchaus nachvollziehbaren Sicht war das eine humanitäre Intervention. Sie krankte nur daran, dass sie gegen das Völkerrecht verstieß. Daran erinnert Russlands Präsident Putin seit seiner Annexion der Krim immer wieder gern. Seit 2001 schließlich kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan gegen die Taliban und Al Kaida.

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