Jetzt ist es endlich so weit, heißt es in etlichen US-Medien: Der Wahlkampf um die Nachfolge von Präsident Barack Obama hat begonnen. Auf Seiten der Republikaner verkündet ein Politiker nach dem anderen seine Kandidatur – erst der reaktionäre Senator Ted Cruz, dann sein libertärer Kollege Rand Paul aus Kentucky, und es steht außer Frage, dass der stets milde lächelnde Jeb Bush demnächst antreten wird. Schließlich sammelt er bereits viele Spendenmillionen mit Hilfe seines Familienclans, dem zwei der letzten vier Präsidenten angehören. Allein seine gut gefüllte Kasse macht ihn zum Favoriten, egal, welcher Republikaner noch ins Rennen gehen wird. Und dann wäre da noch der berühmte Name – von dem noch keiner zu sagen vermag, ob er wirklich ein Vorzug ist oder eine Bürde.

Diese Ungewissheit teilt Jeb Bush mit der Frau, die nun auf Seiten der Demokraten ihre Kandidatur verkündet hat: Hillary Clinton. Sie wird unweigerlich mit der Präsidentschaft ihres Mannes Bill in den 90er-Jahren verbunden, die der Mehrheit der Amerikaner als Zeit des Wirtschaftsbooms in Erinnerung ist. Allerdings haben die Amerikaner auch die Sex-Affären nicht vergessen, mit denen Bill Clinton immer wieder seine politischen Erfolge gefährdete.

Die Umfragen der letzten Monate vermitteln nichtsdestotrotz eine klare Botschaft: Wer die Präsidentschaftswahlen 2016 gewinnen will, der muss Hillary Clinton schlagen. Sie ist zwar nicht unbedingt beliebt, aber sie hat sich in den vergangenen 30 Jahren bei Politikern und Bürgern großen Respekt erworben. Und: Ihre politische Karriere ist einzigartig. Anwältin und Kämpferin für Frauenrechte, First Lady, die ihren Mann stützt und berät, erfolgreiche Senatorin des Bundesstaates New York und schließlich amerikanische Außenministerin.

Die erste Präsidentin der USA

Doch reicht das zum Sieg? Diese Frage muss sie sich stellen. Immerhin galt sie bereits 2008 als die „unvermeidliche“ Kandidatin der Demokraten, ja als die Frau, die Geschichte schreiben würde als erste Präsidentin des Landes. Dann tauchte jener weitgehend unbekannte Senator aus Illinois auf, dessen Name allein ein Hindernis bei Wahlen sein musste: Barack Hussein Obama. Doch Obama erwies sich als herausragender Wahlkämpfer. Er präsentierte sich auch als genau der Kandidat, auf den viele Wählerinnen und Wähler nach den düsteren Jahren mit George W. Bush gewartet hatten: jung, dynamisch und undogmatisch.

Sein „Yes we can“-Slogan rüttelte die von zwei Kriegen und einer schweren Wirtschaftskrise erschöpfte Nation auf und vermittelte Hoffnung. Obama versprach zudem einen Schlussstrich unter der Kriegspolitik – die Hillary Clinton anfangs mitgetragen hatte – und eine gerechtere Gesellschaft. Daher wählten ihn Liberale und Linke, Schwarze und Latinos, Frauen und Junge, Unabhängige und frühere Nichtwähler. Nur dank dieses einmaligen Bündnisses konnte Obama erst Clinton in den Vorwahlen besiegen und am Ende den Republikaner John McCain.

Bei seiner Wiederwahl überzeugte Obama diese Wählergruppen zwar weitgehend wieder von sich, doch er gewann deutlich weniger Stimmen – obwohl er die Gesundheitsreform durchgesetzt, die Auto-Industrie gerettet und den Truppenabzug aus Irak und Afghanistan in die Wege geleitet hatte. Manche seiner Anhänger waren enttäuscht von ihrem Hoffnungsträger, da er sich nicht als eine Art Messias entpuppt hatte, sondern als Politiker, der die Regeln von Washington nicht zu ändern vermochte.

Begünstigende Stimmung

Mittlerweile wird Obama wieder in milderem Licht gesehen. Vor allem verdankt er das dem deutlichen Wirtschaftsaufschwung, den fallenden Arbeitslosenzahlen und den Vorzügen seiner Gesundheitsreform, die sich immer deutlicher offenbaren. Doch auch seine Einwanderungspolitik und sein Einsatz für die Gleichstellung Homosexueller, die Aussöhnung mit Kuba und der mögliche Atomdeal mit Iran stoßen auf große Zustimmung. Das Land lechzt nicht gerade nach einer politischen Wende.

Diese Stimmung im Land begünstigt die Demokratin Hillary Clinton, die in den Vorwahlen keine ernsthaften Herausforderer fürchten muss. Schwer wird es hingegen für die Republikaner. Die Partei ist zerstritten und weit konservativer als noch zu George Bushs Zeiten. Jeder aussichtsreiche Kandidat muss in den Vorwahlen der Partei nach rechts rutschen, um dann im Hauptwahlkampf das Kunststück zu vollbringen, dennoch die Wähler der Mitte anzusprechen. Der Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist daran 2012 kläglich gescheitert, und Jeb Bush macht derzeit nicht gerade die glücklichste Figur. Schön für Hillary. Doch seit 2008 weiß sie, dass es keinen „unvermeidlichen“ Sieg gibt.