Berlin/Bagdad - Wir können sie uns alle ansehen: die Ermordung von James Wright Foley durch einen Vertreter der Gruppe Islamischer Staat. Wir sehen den amerikanischen Journalisten in einem orangefarbenen Gewand vor einem schwarz gekleideten und vermummten Kämpfer der islamistischen Terrorgruppe. Foley spricht seinen Bruder John, einen US-Soldaten, direkt an und fordert ihn auf, darüber nachzudenken, was er tut.

In Wahrheit werde er, James Foley, nicht von der Gruppe Islamischer Staat, sondern von der US-Regierung getötet. Dann sieht man den Mann in Schwarz einen Dolch ziehen und an den Hals setzen. In diesem Moment wird das Video, das ich gesehen habe, schwarz. Einen Augenblick später sieht man den abgetrennten Kopf von James Foley auf dem toten Körper liegen. Danach zeigt der Terrorist auf einen weiteren Journalisten. Barack Obama solle sich genau überlegen, was er als Nächstes unternehme. Das Leben dieses Mannes liege in seiner Hand.

Das Video ist eine terroristische Inszenierung. Es soll Angst und Schrecken verbreiten. Es ist eine Antwort auf Obamas Bombenbefehl gegen die Gruppe Islamischer Staat. Das Video beginnt mit Auszügen aus der Rede des US-Präsidenten. Es wird größter Wert daraufgelegt, die brutale Ermordung von James Foley als Reaktion auf eine amerikanische Tat darzustellen. Das reicht bis zu dem orangefarbenen Umhang Foleys. Die gleiche Farbe hatten die Umhänge, die die Gefangenen in Abu Ghoreib trugen, als die US-Wärter ihnen Hunde auf den Leib schickten.

Aber das ist Propaganda. Die Gruppe Islamischer Staat hat nicht den USA den Krieg erklärt, sondern den Menschen im Nordirak, die nicht bereit sind, sich ihr zu unterwerfen. Das sind Jesiden und Christen. Vor allem aber sind es Muslime. Sie alle werden zu Tausenden weniger spektakulär hingemordet. Ohne aufwendig darauf hinzuweisen, dass sie selbst schuld wären an ihrem Tod.

„Wir werden Euch alle in Blut ertränken“ erklären die Terroristen. Das Tempus ist falsch. Die Gruppe Islamischer Staat ertränkt bereits alle, die sich ihr entgegenstellen, in Blut. Sie tut das, weil sie die Macht will. Für sich. Für niemanden sonst. Die Gruppe Islamischer Staat kämpft nicht gegen die USA für die Muslime. Erst als Barack Obama erklärte, er werde das Überleben von Jesiden, Christen und Muslimen mit Waffengewalt gegen die Gruppe Islamischer Staat verteidigen, da erst wurden US-Bürger zum Ziel der Terroristen.