Alles hat seine Zeit. Das gute Gesetz hat seine Zeit, und das schlechte Gesetz hat seine Zeit, aber noch kaum eines hatte je so viel Zeit in Deutschland wie das schlechteste aller Gesetze. Vom nationalsozialistischen Gesetzgeber in den 40er-Jahren geschaffen, seit eh und je als Konstruktionsfehler begriffen und beklagt, hat der Mord-Paragraf 211 alle Reformen des Strafgesetzbuchs unbeachtet überstanden. Zwar hat der Grundgesetzgeber dem Richter das Schwert aus der Hand genommen – nicht mehr der Tod erwartet den Mörder, sondern die Verurteilung zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Im Übrigen aber haben sich Staat und Gesellschaft offenbar inzwischen damit abgefunden, dass der Paragraf bleibt, was er immer schon gewesen ist – eine Lüge im Gewand des Gesetzes. Worin besteht sie? In der Behauptung, die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag lasse sich plausibel begründen.

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