In der Zeit danach fühlte es sich nicht weniger großartig an als im Moment des Halbzeitpfiffs. Selbst Fußballmuffeln dürfte nicht entgangen sein, dass es sich beim WM-Halbfinale Brasilien – Deutschland um ein Ereignis handelte, das weit über die Sphäre des Sports hinausragt. Das spürten wohl auch die Spieler. Als Toni Kroos sein Tor zum 3 : 0 nach nur 25 Minuten erzielte, war seine Jubelgeste alles andere als überschwänglich. Als habe ihn ein Anflug von Scham überkommen, nahm er die Hände vors Gesicht und schüttelte ungläubig den Kopf, so, als wolle er sagen: Das habe ich nicht gewollt.

Die bloße Willensanstrengung, die deutschen Fußballmannschaften nicht ohne historische Anspielungen in einer Mischung aus Furcht, Bewunderung und Abneigung immer wieder unterstellt wird, war in einer furiosen Viertelstunde der Eleganz des Gelingens gewichen. Für die sportliche Seite des Geschehens mag man nachträglich hinreichend Erklärungen finden, die emotionalen Aspekte des Spiels aber surren noch immer hin und her zwischen Fußball, gesellschaftspolitischer Relevanz und der erstaunlichen Bandbreite menschlicher Gefühle.

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