Zur Darstellung des Magdalenenhochwassers, das im Sommer 1342 in zeitlicher Nähe zum christlichen Namenstag der Magdalena zahlreiche Flüsse Mitteleuropas über die Ufer trieb, versuchten es die Chronisten mit plastischen Bildern. So schrieb ein Mainzer Stadtschreiber, dass im „Dom einem Mann das Wasser bis zum Gürtel stand“. Und in den Frankfurter Annalen ist nachzulesen, dass der „Meyn so groß gewesen, daß das waßer ganz und gar umb Sachsenhausen ist gangen.“

In seinem Bedürfnis nach Anschaulichkeit gleicht es dem, was wir täglich in aktuellen TV-Formaten wie dem „ARD-Brennpunkt“ zu sehen bekommen. Noch immer schieben sich die schlammigen Wassermassen in aufreizender Trägheit durch die Landschaft, hinterlassen Orte der Verwüstung und bringen verzweifelt dagegen angehende Menschen hervor. Das ist das große Paradox dieser Sommertage: Deutschland wehrt sich gegen die Folgen einer Naturkatastrophe und tut dies doch in derart geordneten Bahnen, als ginge es bloß um die üblichen Unannehmlichkeiten bei der Umstellung auf den Sommerfahrplan der Deutschen Bahn.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.