Schön wäre es schon gewesen. Olympische Spiele in Berlin im Jahr 2024. Ein Weltereignis in unserer Stadt. Wir hätten gezeigt, was wir können. Ein schönes, nachhaltiges olympisches Dorf, tolle Sportstätten und quirliges Leben in Berlin. Berlin wäre ein guter Gastgeber für die Welt geworden, das beweisen wir täglich. Viele junge Berliner Sportler hätten mit Leidenschaft trainiert.

Na ja. Jetzt ist es Hamburg und wir gratulieren herzlich. Die Hansestadt überzeugte. Die Begründung des DOSB für Hamburg aber tut weh. Sie ist eine Ohrfeige für Berlin, eine, die die Stadt nicht verdient hat. Man wolle, so heißt es, die Spiele gemeinsam mit einer engagierten Stadtgesellschaft in einer „Agenda City“ entwickeln.

Man habe das Gefühl bekommen, die Stadt sei „Feuer und Flamme“ für Olympia. Wie bitte? Wegen der lächerlichen neun Prozentpunkte mehr bei der Forsa-Umfrage? Nein, wir sind keine schlechten Verlierer. Aber das, lieber DOSB, ist doch wirklich keine hinreichende Begründung. Was ist mit der guten Infrastruktur von Berlin? Was ist mit den vielen Sportstätten, die schon da sind? Bedeutet es gar nichts, dass Berlin Bundeshauptstadt und derzeit beliebteste Metropole Europas ist?

Der DOSB hat für sich selbst die bequemere Lösung gesucht. Hamburg scheint ein sicherer Kandidat, die Zustimmung in der Volksbefragung scheint klarer als in Berlin. Hier fühlt man sich vor bösen Überraschungen gefeit. Aber genau genommen zeigt das nur, dass die Entscheider im DOSB Berlin nicht verstanden haben. Berlin ist nie einfach so Feuer und Flamme für irgendetwas. Die Berliner prüfen, nörgeln, wägen ab und entscheiden doch am Ende vernünftig. Das ist doch gar nicht schwer zu erklären. Oder glaubt unser Sportsenator nicht an Berlin? Mag er seine Berliner nicht und misstraut ihnen? Konnte er deshalb gegen Hamburg nicht punkten? Frank Henkel wird einiges zu erklären haben. Er wird die Schuld nicht auf die Berliner Skeptiker schieben können.

Die Chancen für Deutschland sind, so viel Berlin-Patriotismus darf schon sein, nicht größer geworden. Gegen internationale Metropolen anzutreten, wird nicht leicht. Hamburg hat Flair, aber hat es genug Esprit, um gegen Rom, Paris, Boston anzutreten? Immerhin wollten 82 Prozent der bei Forsa Befragten, dass die Olympischen Spiele in Deutschland ausgetragen werden. Kann sein, dass dieses Ziel jetzt schon verloren ist.

Viele Berliner allerdings, das darf nicht unerwähnt bleiben, wird die Entscheidung auch freuen. Die Gegner der Olympischen Spiele in der Hauptstadt waren seit Monaten aktiv. Sie sind ab sofort arbeitslos. Ihre Argumente waren: Geldverschwendung, Korruption, überflüssige Sportstätten. Die Milliarden, so die Kritiker, könnten sinnvoller ausgegeben werden. Mit denselben Argumenten sind im Übrigen auch in Hamburg viele Olympia-Gegner unterwegs. Und wir werden sehen, wie sehr die Hamburger bei der Volksbefragung „Feuer und Flamme“ sind.

Überzeugt Hamburg allerdings wirklich international, setzt es sich durch gegen alle anderen Bewerber und kommen die olympischen Spiele im Jahr 2024 oder 2028 wirklich nach Hamburg, sitzt Berlin in der ersten Reihe. Die Bahn fährt heute in knapp anderthalb Stunden ohne Umsteigen mit dem ICE von Berlin nach Hamburg. Heute. Bis zum Jahr 2024 wird es ja wohl noch ein bisschen schneller gehen. Wir werden die Spiele fast vor der Haustür haben, ohne einen Finger krumm zu machen. Und die positive Ausstrahlung von Olympischen Spielen wird auch ein paar hundert Kilometer weit tragen.

Die Spiele kommen nicht nach Berlin. Aber was, wenn sie auch nicht nach Hamburg kommen? Dann haben trotzdem beide Städte gewonnen. Städte wachsen mit solchen Debatten. Sie sind Suche nach Identität und Selbstvergewisserung gleichermaßen. Berlin ist nicht fertig. Noch lange nicht. Und das ist gut so. Also sind Kontroversen wichtig. Über Olympia? Auch. Aber auch über das Schloss und was darin am besten aufgehoben wäre. Über die Frage, wie viel Brachen und damit wie viel Platz für Kreativität braucht die Stadt und wie viel kann sie sich leisten? Der DOSB hat gesagt, Hamburg werde mit den Spielen eine „Agenda City“ entwickeln. Es stimmt schon, Olympische Spiele sind ein Beschleuniger. In der Theorie und in der Praxis. Viele Prozesse sind wie in einem Brennglas sichtbar, planbar, machbar.

Was heißt das für Berlin? Dass wir jetzt die Chance, aber auch die Pflicht zu unserer eigenen, selbstbestimmten Agenda City haben. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Wir brauchen mehr Wohnungen, bessere Sportstätten, bessere öffentliche Infrastruktur. Olympia hätte Spaß gemacht, und der Stadt bei der Agenda helfen können. Vielleicht.