Die New York Times hat einen Geist in den internationalen Beziehungen entdeckt. Sein Name ist Deutschland. Eines der angesehensten und ökonomisch stärksten Länder der Welt duckt sich weg, wenn es um die Suche nach einem Ausweg aus der syrischen Katastrophe geht – das ist der Eindruck. Niemand weiß, was eigentlich die deutsche Position ist. Es müsse Konsequenzen für die syrische Führung geben, wenn sie den Befehl zum Giftgaseinsatz gab, sagt die Regierung immerhin. Welche Art von Konsequenzen, sagt sie nicht. Sich an einem Militärschlag beteiligen will sie nicht. Ob sie einen solchen Schritt der USA politisch unterstützen würde, weiß man nicht.

Das peinliche Lavieren der Kanzlerin bei der Erklärung der G20 zu Syrien am Wochenende hat die vollkommene Planlosigkeit der deutschen Außenpolitik gezeigt. In diesem Zickzack ist nur eines erkennbar: die Methode Merkel'schen Politikmachens. Auf Sicht fahren, abwarten, wohin sich der Wind dreht, nicht zu früh festlegen. Ein Problem nur, wenn der Wind sich häufiger dreht. Und ärgerlich, wenn ihr Verfahren nun auf offener internationaler Bühne für jedermann sichtbar als geisterhaft entlarvt wird.

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