Leka Zog, der selbsternannte König von Albanien, sorgt für Unruhe: Er ist fest davon überzeugt, daß sich seine Landsleute ­ entgegen aller offiziellen Angaben ­ bei der Volksabstimmung am vergangenen Sonntag für die Einführung einer konstitutionellen Monarchie entschieden haben.Der "König der Skipetaren" ist in jedem Fall eine herausragende Erscheinung. Wenn Leka Zog an der Spitze seiner Getreuen über den Skanderbeg-Platz in Tirana zieht, ist er mit seinen 2,05 Meter Körpergröße schon von weitem erkennbar. Tatsächlich sind die öffentlichen Auftritte des Königs in den letzten Tagen häufiger geworden.Erst am Donnerstag stürmte Leka Zog gemeinsam mit zwei- bis dreihundert seiner treuesten Gefolgsleute, zumeist wettergegerbten Hochländern aus dem Norden, die Zentrale Wahlkommission im Kongreßpalast ­ eine Szene wie auf einem Historiengemälde. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Der König, der meist einen Safari-Anzug und stets eine Pistole trägt, war diesmal mit einer MP bewaffnet.Leka Zog ist davon überzeugt, daß die Mehrheit der Albaner sich am Sonntag in einer Volksabstimmung für eine konstitutionelle Monarchie und gegen die Republik entschieden hat. Die Zentrale Wahlkommission ist gegenteiliger Auffassung.Zunächst war der Monarch nur eine skurrile Randerscheinung der albanischen Politik gewesen. Dann jedoch wurde der König von der monarchistischen Partei der "Legalität" umjubelt. Obwohl er sich schließlich bemühte, sich aus dem Parteienstreit herauszuhalten, zog er tatsächlich für die Monarchisten die Fäden. Leka quartierte sich in einem Haus am Rande Tiranas ein, schickte einen Abgesandten als Justizminister in die Allparteienkoalition und empfing albanische Politiker und Journalisten.Präsident Berisha, nun in Nöten, schloß für die Wahl ein Abkommen mit den Monarchisten, die immerhin für etwa drei Prozent der Stimmen gut waren. Leka handelte sich dafür ein Referendum über die Staatsform ein, das gleichzeitig mit der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag stattfand. Weil stets in majestätischer Ruhe und Würde vorgetragen, erregten die politischen Vorstellungen des Königs kein besonderes Aufsehen. Dabei sind sie weit radikaler als die aller anderer Parteien: So will Leka ein "Großalbanien" schaffen, das das jugoslawische Kosovo sowie Teile Montenegros, Mazedoniens und Griechenlands umfaßt. Darüber hinaus will er die Verfassung von 1928 wieder einführen.Lekas Meinung nach hat die autokratische Verfassung von damals bis heute Gültigkeit. Gestiftet hatte sie Lekas Vater Ahmed. Der ehemalige türkische Staatsbeamte hatte sich Anfang der zwanziger Jahre in Stammeskämpfen durchgesetzt. 1925, erst 29 Jahre alt, ließ er sich zum Präsidenten, drei Jahre später zum König ausrufen.Unterdessen haben Italien und Österreich den Abzug ihrer Schutztruppen noch im Juli angekündigt. Das Verteidigungsministerium in Rom teilte am Freitag mit, der Abzug werde am 18. Juli beginnen. In Wien wurde der 25. Juli als Starttermin genannt. Italien befehligt die Schutztruppe, die auch die Wahlkommission in Tirana im Fall neuer Demonstrationen schützen soll.