Wer, wenn nicht Dmitri Schostakowitsch hätte diese Gedenkstunde im Deutschen Bundestag eröffnen können? In seiner Musik ist die Erinnerung an die gemarterten Menschen Leningrads eingeschlossen. Und wer sonst, wenn nicht Daniil Granin könnte zum 70. Jahrestag der Befreiung der Stadt von der Belagerung durch die deutsche Wehrmacht im Bundestag sprechen, an diesem 27. Januar, der dem Gedenken aller Opfer des Nationalsozialismus gilt.

Der Schriftsteller Daniil Granin ist ein Überlebender der Leningrader Blockade, ein Zeitzeuge, eine Stimme aus der Vergangenheit, der eigenen, der sowjetischen, der russischen Vergangenheit. Er stehe hier als Soldat, sagte Granin, als der Soldat, der er war, an der Leningrader Front. Er steht tatsächlich, aufrecht und tapfer, mit seinen 95 Jahren, und er berichtet aus einer grausamen Vergangenheit. Er nennt die Zahlen, 872 Tage Blockade, mehr als eine Million Tote, 400 Gramm Brot für Arbeiter, 200 Gramm für Angestellte, kaum Wasser, keine Heizung, keine Kanalisation. Aber mehr noch erzählt er von der Mutter, die ihr totes Kind im Hungerwinter auf der eisigen Fensterbank aufbewahrt, um mit ihm das ältere Kind zu ernähren. Es ist seine und unsere Vergangenheit. Vergangen ist sie nicht.

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