Am heutigen Donnerstag ist vor dem Parteispenden-Untersuchungsausschuss ein Zeuge geladen, der wie kaum ein anderer die Öffentlichkeit scheut - Leo Kirch, Filmhändler, Medienunternehmer, Freund und Gönner von Helmut Kohl. Vor allem als Letzteren will ihn der Untersuchungsausschuss befragen. Mit Kirchs Hilfe lässt sich vielleicht die einzige noch spannende Frage der CDU-Schwarzgeldaffäre klären: Wer sind die anonymen Gönner, die dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zwischen 1989 und 1998 Bargeld in Höhe von insgesamt fünf Millionen Mark diskret in die Jackentaschen stopften? Leo Kirch gilt als einer der ganz heißen Favoriten.Nicht nur deshalb, weil der Medienunternehmer (ProSiebenSat 1, Premiere, Springer) seit vielen Jahren ein enger Freund des Altkanzlers ist. Sondern auch, weil Helmut Kohl, als er noch was zu sagen hatte, dem Freund stets hilfreich zur Seite sprang, steckte der mal wieder in Schwierigkeiten. So geschehen beispielsweise 1995, als die Telekom beschlossen hatte, nicht den Kirch-Decoder d-box beim Kabelfernsehen als Empfangsgerät für das Pay-TV zu nutzen. Kohl schickte einen deutlichen Brief an den Aufsichtsrat des Staatsunternehmens und teilte sein Unverständnis über den Beschluss mit. Oder 1997: Da intervenierte die deutsche Regierung zu Gunsten Kirchs bei der EU-Kommission, die gerade dessen Pläne für das Pay-TV prüfte. Wenige Monate später bat Kohl den damaligen Präsidenten der EU-Kommission, Jacques Santer, darum, eine von Kirch, Telekom und Bertelsmann geplante (aber letztlich nicht zu Stande gekommene) Pay-TV-Allianz zu genehmigen. Anrüchig wäre die Sache, wenn sich der Regierungschef dieses Handeln mit heimlichen Bargeldprämien honorieren ließe.Im Falle Kirch kann es so gewesen sein, wenn sich Horst Weyrauch, der ehemalige Finanzberater und Herr über Kohls schwarze Kassen, richtig erinnert. Gegenüber dem CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann hatte Weyrauch im vergangenen Jahr beteuert, er wisse nichts über die Herkunft der anonymen Bargeldspenden, die Kohl ihm über Hans Terlinden, des Ex-Kanzlers rechte Hand in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, zur Verbuchung auf den Schwarzkonten zukommen ließ. Nur in einem Fall habe Terlinden ihm gegenüber vermutet, dass das Geld von Leo Kirch stamme. Es habe sich um 900 000 Mark gehandelt. Kirch und Kohl hatten die Weyrauch-Aussage, die dem Unternehmer den heutigen Zeugenauftritt im Untersuchungsausschuss bescherte, als unzutreffend zurückgewiesen. Richtig spendabel wurde Kirch laut Aktenlage erst, als Kohl als Kanzler und Parteichef abgedankt hatte und der Schweizer Bank Credit Suisse, einem Kreditgeber Kirchs, als Berater zur Verfügung stand: Im Jahre 1999 düste Kohl mit der Kirch-Fluggesellschaft Transalpina mehrfach umsonst durch Europa; und bei der Sammelaktion im Jahr darauf, mit der Kohl den seiner Partei durch die Spendenaffäre entstandenen Schaden wieder gutmachen wollte, zeigte sich Freund Leo als großzügiger Gönner: Er spendete eine Million Mark.