Pisa bedeutet Zeugnis für das deutsche Bildungssystem.
Foto:  dpa/Armin Weigel

Berlin Es gibt keinen größeren internationalen Schulvergleichstest als die sogenannte Pisa-Untersuchung. Sie ist quasi die Mutter aller Leistungsvergleiche zwischen den Schulen der Länder. An diesem Dienstag werden die Ergebnisse der jüngsten Studie in Berlin präsentiert. 

Die Studie wird von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) durchgeführt und testet Schülerinnen und Schüler auf ihre Kompetenzen in drei Bereichen: Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften. In jeder Ausgabe der Studie wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt.

Dieses Jahr wird die Studie zum insgesamt siebten Mal präsentiert; der Fokus liegt zum dritten Mal auf den Lesefähigkeiten der Schülerinnen und Schüler, wie schon in der allerersten Studie.

Die erste Ausgabe der Pisa-Studie, durchgeführt im Jahr 2000, präsentiert im Jahr 2001, zerstörte in Deutschland mit einem Schlag die Vorstellung, über ein international wettbewerbsfähiges Schulsystem zu verfügen. 

Der „Pisa-Schock“ ersetzte im öffentlichen Bewusstsein über Jahre die Stadt mit dem schiefen Turm. Pisa, das bedeutete: Schülerinnen und Schüler, die unzureichend lesen können, schlechte Leistungen in Mathe und den naturwissenschaftlichen Fächern vorweisen. Deutschlands Schülerinnen und Schüler im europäischen Vergleich: nicht mal Mittelmaß. 

Fortan waren die Bundesländer nahezu permanent bemüht, mit Bildungsreformen die Standards und die Fähigkeiten des deutschen Schulsystems zu verbessern. Zugleich wurden eigene Schulvergleichstests auf Bundesländer-Ebene eingeführt.

Böger: "Man muss erstmal wissen, was ist."

Legendär wurde der Lieblingssatz des damaligen Bildungssenators Klaus Böger (SPD): "Man muss erstmal wissen, was ist." Vorgezogene Einschulung, jahrgangsübergreifender Unterricht, die Einführung der Gemeinschaftsschule, längeres gemeinsames Lernen, schneller zum Abitur - all das waren Reaktionen auf die ernüchternden Pisa-Ergebnisse. Verschärft wurde die Debatte in der Hauptstadt durch die sogenannten Länderberichte, die auf einer Sonderauswertung der Pisa-Studie basierten. Diese machten die Bundesländer vergleichbar. Berlin lag meist auf einem der hintersten Plätze. Das hat nicht selten Schüler und Lehrer überfordert, ein Teil der Reformen sind in Berlin schon wieder zurückgenommen oder aufgeweicht worden. 

Ein besonders bedrückendes Ergebnis aller Pisa-Studien und geltend für alle Bundesländer ist unverändert: In Deutschland hängt der Bildungserfolg immer noch signifikant mit dem Geldbeutel der Eltern zusammen. 

Für die aktuelle Pisa-Studie wurden in Deutschland im Jahr 2018 an 220 zufällig ausgewählten Schulen 5500 ebenfalls zufällig ausgewählte Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren getestet. Verglichen werden sie mit Altersgenossen aus allen 37 OSZE-Staaten, sowie 42 weiteren weltweit. Mit insgesamt etwa 600.000 Teilnehmern ist das „Programme for International Student Assessment“ (Programm zur internationalen Schülerbewertung) die größte Studie ihrer Art.

Lesen in digitalen Medien

Um Lesekompetenz zu testen, ist die Studie laut Angaben der Technischen Universität München, die die Studie in Deutschland durchführt, revidiert und an die Anforderungen der heutigen Zeit angepasst worden. Besonders berücksichtigt worden seien bei den Tests deshalb „die sich verändernde Lesepraxis, die mit der Nutzung digitaler Medien zur Speicherung und Kommunikation von Textinhalten einhergeht“.

Laut Angaben der Studienleiter sollte die aktuelle Studie auch prüfen, wie gut die 15-Jährigen die Glaubwürdigkeit von Texten einschätzen können und in der Lage sind, „möglicherweise widersprüchliche Informationen mehrerer Textquellen miteinander zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen“. Zum ersten Mal getestet wurde auch die globale Kompetenz der Teenager. Die Ergebnisse werden aber erst im kommenden Jahr präsentiert.

Nach dem Pisa-Schock hatte sich Deutschland in der Studie stetig verbessert. Die Jahre, in denen das Wort „Pisa“ deutschen Bildungspolitikern das Blut aus dem Gesicht weichen ließ, sind längst vergangen. Für etwas Nervosität sorgt sie allerdings immer noch: 2016 erreichte Deutschland in der Gesamtwertung zwar den 13. Platz (2001 war es noch der 20.), konnte aber im Vergleich zu 2013 keine Verbesserung für sich verbuchen.

Andreas Schleicher, der Internationale Koordinator der Studie, forderte damals einen „neuen Quantensprung“, um zu Pisa-Spitzenländern wie Singapur, Kanada oder Finnland aufschließen zu können.  

„Wenn wir es nicht schaffen, mit unserem Bildungssystem in die internationale Spitze vorzurücken, gefährden wir den Wohlstand unserer Kinder."

Ludger Wößmann vom Institut für Wirtschaftsforschung

Die Ergebnisse für das Jahr 2018, die am Dienstag veröffentlicht werden, werden deshalb mit Spannung erwartet und für Diskussionsstoff sorgen. Die Prognosen für die aktuelle Ausgabe der Studie sind eher negativ. Ludger Wößmann vom Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) warnte etwa: „Wenn wir es nicht schaffen, mit unserem Bildungssystem in die internationale Spitze vorzurücken, gefährden wir den Wohlstand unserer Kinder."