Analog und digital: In Corona-Zeiten müssen Lehrkräfte beides können.
Foto: Julian Stratenschulte / dpa 

BerlinKreativität und Eigeninitiative waren in den vergangenen sechs Monaten bei Lehrkräften ganz besonders gefragt: Die Schulschließungen wegen des Coronavirus im März kamen völlig unvermittelt, und der Weg zum digitalen Unterricht war und ist für Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland alles andere als geebnet. Bundesweit ist die Schaffung der nötigen Infrastruktur für die Schulen erst im vergangenen Jahr und äußerst stockend angelaufen, und in der Lehrerausbildung spielt das Thema kaum eine Rolle. Nun gibt es Abhilfe: Innerhalb weniger Wochen haben 33 Lehrerinnen und Lehrer ein Nachschlagewerk zur sinnvollen Vermischung von digitalem und analogem Unterricht zusammengestellt.

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Schon in seiner Entstehung hat „Hybridunterricht 101. Ein Leitfaden zum Blended Learning für angehende Lehrer:innen“ die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung voll ausgeschöpft. Der Herausgeber und Initiator des Projekts Tim Kantereit hatte sich schon vor Corona-Zeiten mit dem Thema „Zeitgemäßes Lernen“ auseinandergesetzt und einige Thesen entwickelt, die nun im Vorwort des Bandes stehen. Der 38-Jährige arbeitet als Mathelehrer an einer Bremer Gemeinschaftsschule und bildet für das Landesinstitut für Schule Lehramtsanwärter aus. „Als das mit den Schulschließungen angefangen hat, kamen immer mehr Fragen zur Umsetzung meiner Thesen auf“, berichtet Kantereit am Telefon. Er beschloss, ein Buch zu schreiben – mit Hilfe von allen, die etwas beitragen wollten. Eine erste Ideensammlung wurde auf Twitter unter dem Hashtag #twitterlehrerzimmer oder #twlz erstellt. Kantereit erstellte ein Konzept für das Buch, sammelte über Online-Crowdfunding Geld für das Projekt und sagte dann: „Ihr füllt das jetzt!“

Ein Buch, das allen helfen kann

Das Feedback überraschte Kantereit selbst: 32 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland, und er selbst, verfassten Texte für den Band oder steuerten schon existierende Blogeinträge bei – zum Teil sind es Leute, die Kantereit vorher gar nicht kannte. „Ich wusste ja auch nicht, was ich da geschickt bekomme. Aber es war unglaublich, wie viel Know-how und Kompetenz zum Vorschein gekommen ist. Ich habe selbst schon total viel dazugelernt“, sagt er. Das Ergebnis ist entsprechend vielfältig: Die neun Hauptkapitel, erschienen in einem E-Book-Verlag, enthalten ganz konkrete Anleitungen zur Planung und Durchführung von hybridem Unterricht ebenso wie Überlegungen zu der Frage, wie sich im virtuellen Raum eine Klassengemeinschaft und starke Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülern aufbauen lassen.

Zugreifen kann auf das so gesammelte crowdgesourcte Wissen jeder, der möchte: Das „Gemeinschaftsprojekt aus den Sozialen Netzwerken“, so die Unterzeile, steht kostenlos zum Download im Netz und kann Mitte August zum Selbstkostenpreis auch gedruckt gekauft werden. Was es beibringen will, macht es auch gleich selbst vor: Das E-Book ist gespickt mit Links zum Weiterrecherchieren, in der gedruckten Version sollen sie als QR-Code auf das Smartphone übertragen werden können. Dass so ein Buch nicht nur Referendare interessieren dürfte, ist Kantereit inzwischen auch klar geworden: „Ich glaube, das Buch kann jedem, der digital nicht so affin ist, helfen. Man kann einfach nachschlagen, was einen interessiert, und anfangen zu lesen.“ Denn die nächste Lerngruppe, die in die Isolation muss, kommt im neuen Schuljahr bestimmt.