Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) will Förderzentren erweitern.
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BerlinAufgrund von steigenden Fallzahlen will Schulsenatorin Sandra Scheeres 838 zusätzliche Schulplätze für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen schaffen. Die Plätze sollen durch Anbauten entstehen, sogenannte Modulare Ergänzungsbauten, mit denen die Verwaltung seit einigen Jahren den Schulplatzmangel einzuhegen versucht.

Ein solcher Ergänzungsbau schafft planmäßig 96 Plätze. Nach Auskunft der Senatsverwaltung soll in den nächsten Jahren in den Bezirken Mitte, Pankow, Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Marzahn-Hellersdorf sowie Lichtenberg jeweils eine bereits bestehende Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung durch einen solchen Anbau ergänzt werden. Ein weiterer Ergänzungsbau in Treptow-Köpenick befindet sich noch in der Planungsphase. In Mitte und Pankow entstehen außerdem zusätzliche Plätze durch vergrößerte Schulneubauten der Charlotte-Pfeffer-Schule und der Panke-Schule.

Zahl geistig behinderter Kinder und Jugendlichen angestiegen

Im laufenden Schuljahr gibt es 2679 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Geistige Entwicklung, rund 40 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, bei einem Zuwachs von zehn Prozent in der gesamten Berliner Schülerschaft. Das entspricht einem bundesweiten Trend. Die Gründe sind unklar und wahrscheinlich vielfältig. Unter anderem wird vermutet, dass durch medizinische Fortschritte mehr Frühchen überleben als früher.

Als Abkehr von der Inklusion will die Bildungsverwaltung die Schaffung von zusätzlichen Schulplätzen für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen nicht verstanden wissen. „Es war nie der Ansatz, sämtliche Förderzentren zu abzubauen“, sagte Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung. In der Amtszeit von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) seien keine Förderschulen mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung geschlossen worden.

Kinder mit Lern- oder Sprachbehinderungen und emotionalen und sozialen Entwicklungsstörungen, die rund 60 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ausmachen, seien in Regelschulen überwiegend gut integrierbar. „Für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in der geistigen Entwicklung suchen Eltern besonders häufig den geschützten Raum eines Förderzentrums“, so Klesmann.

Landeselternausschuss: "Richtig und wichtig"

Bei einem Pressegespräch am Mittwoch sagte Scheeres, sie lege bei der Inklusion großen Wert auf Behutsamkeit und das Elternwahlrecht: „Es gibt Eltern, die sagen, das Förderzentrum ist für ihr Kind der richtige Ort. Andere wollen, dass ihr Kind gemeinsam mit anderen an einer Regelschule lernt.“ 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchten inzwischen eine Regelschule. Das zeige, dass sich die Inklusive Schule trotz mancher Probleme auf einem guten Weg befinde.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses Norman Heise bezeichnete die geplante Schaffung von zusätzlichen Förderplätzen als „richtig und wichtig“. An Förderschulen könnten Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen von kleineren Klassen, Spezialisten und Therapiemöglichkeiten profitieren, die Regelschulen ihnen oft nicht bieten könnten. Die Bildungsgewerkschaft GEW hingegen sieht den Ausbau als Rückschritt in der Inklusion und twitterte: „Es ist dringend nötig, die inklusiven Schulen besser auszustatten, damit die Schüler*innen dort angemessen gefördert werden können.“