In Berlin und Brandenburg sollen Schulleitungen nun selbst etscheiden, welche Prüfungstermine sie nutzen
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BerlinWegen der Schulschließungen zur Eindämmung der Coronavirusinfektionen können Schulleitungen in Berlin und Brandenburg nun selbst entscheiden, ob sie die Abiturprüfungen an den Hauptterminen durchführen wollen. Andernfalls sollen sie auch die Nachschreibetermine nutzen – wenn sie „der Auffassung sind, dass die Vorbereitung ihrer Schülerinnen und Schüler auf die Abiturprüfung nur eingeschränkt möglich war“.

Das sei eine gemeinsame Entscheidung der Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD), hieß es am Mittwoch aus der Verwaltung. „In diesen besonderen Zeiten ist es für Schulen wichtig, dass sie flexibel und der jeweiligen Situation angemessen entscheiden können“, sagte Bildungssenatorin Scheeres. „Kein Schüler, keine Schülerin soll Nachteile erfahren.“

Verschoben werden kann nur nach den Osterferien

Die Entscheidung, welcher Termin genutzt werden soll, müssen Berliner Schulleitungen schnell fällen: Bis zum 20. März soll die Mitteilung an die Fachaufsicht in der Senatsverwaltung erfolgen. In Berlin gibt es diese Option allerdings nur für die Abiturprüfungen, die nach den Osterferien angesetzt sind.

Bleibt es dabei, können die Leistungsfach-Prüfungen, die am 27. und 30. März sowie am 1. April angesetzt sind, nicht verschoben werden. Betroffen sind Fremdsprachen wie Spanisch, Russisch, Türkisch und die Fächer Geschichte und Geografie. Auch der Prüfungstermin am 3. April, an dem einige dritte Prüfungsfächer dran sind, bleibt nach dieser Regelung bestehen. Auch in Zeiten von Schulschließungen müssen Schülerinnen und Schüler für die Abiturprüfungen in den Schulen erscheinen, die laut Senatsschulverwaltung für die Einhaltung eines Sicherheitsabstands von 1,5 Metern zu sorgen haben.

Kritik von der Schülervertretung

Der Landesschülerausschuss hatte zuvor den Senat aufgefordert, eine Verschiebung zu prüfen. Von der Flexibilisierung hält der Vorsitzende Miguel Góngora nichts: „Diese Entscheidung führt nur zu weiterer Verunsicherung. Das ist keine anständige Lösung.“ Er befürchtet Nachteile für Abiturienten, weil sie in ihren Präsentationsprüfungen, die die Schulen selbst terminieren, auch Literaturquellen angeben müssen. Bei geschlossenen Bibliotheken hätten nicht mehr alle die gleichen Vorbereitungsmöglichkeiten.

Góngora, der selbst Abiturient ist, verwies am Mittwoch auch auf die psychische Belastung der Schülerinnen und Schüler durch den Ausnahmezustand: „Es ist eine Zumutung zu erwarten, dass Abiturientinnen und Abiturienten jetzt die erwünschten Leistungen ohne Einschränkung abliefern.“ Die Prüfungen der anderen weiterführenden Schulformen, darunter Mittlerer Schulabschluss (MSA) und Berufsbildungsreife (BBR), hatte Scheeres bereits zu Beginn der Woche verschoben. An den Terminen zum Abitur hatte sie bislang festgehalten.

Kultusministerkonferenz hält Ausfall für möglich

Nachdem am Mittwochvormittag allerdings Bayern und Mecklenburg-Vorpommern die Verschiebung ihrer Abiturprüfungen verkündet hatten, war sowohl in der Kultusministerkonferenz (KMK) als auch in der Bildungsverwaltung neu beraten worden.

Für die Organisation der Prüfungen ist grundsätzlich jedes Bundesland selbst zuständig. In einigen Fächern soll aber in den meisten Bundesländern am gleichen Termin Abitur geschrieben werden. KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hält angesichts der Schulschließungen wegen der Coronakrise auch einen Ausfall von Abiturprüfungen für möglich: „Wir hoffen, dass die ursprünglich geplanten Termine gehalten werden können. Trotzdem bereiten wir uns auf eine mögliche Verschiebung oder sogar den Ausfall von schriftlichen oder mündlichen Prüfungen vor“, sagte sie am Mittwoch nach den Beratungen des KMK-Präsidiums.