Tick, tack, die Zeit läuft. Bis zum Abend will der Chef das neue Strategiepapier sehen. Doch das Brett vor dem Kopf will einfach nicht verschwinden. Wo bleibt die zündende Idee? Einfach nur dazusitzen und auf einen Geistesblitz zu warten, hilft in solchen Momenten wenig. Es gibt aber eine Reihe von Übungen, um kreativen Ideen auf die Sprünge zu helfen. Oft ist dabei wichtig, zunächst einmal alte Denkmuster und Rollen zu überwinden.

1. Brainstorming

Die Übung ist der Klassiker beim kreativen Arbeiten. Dabei sagen alle, welche Vorschläge ihnen spontan einfallen, einer notiert sie, hinterher wird ausgewertet. Wichtig dabei: Die Ideenfindung von der Kritik trennen, erklärt Benno van Aerssen, der als Berater und Innovationscoach arbeitet. „Viele machen den Fehler, dass sie zu schnell bewerten. Dann geht gleich die Schranke im Kopf runter.“ Teilnehmer müssen sich also trauen, auch halbgare Ideen in den Raum zu werfen.

Ein weiterer Fehler ist es, für ein Brainstorming nur fünf Minuten anzusetzen. „Solche Quickies sind unergiebig“, sagt Prof. Jörg Mehlhorn von der Deutschen Gesellschaft für Kreativität. „Ein Brainstorming unter 30 Minuten ist kein Brainstorming.“ Oft kämen einem in den ersten zehn Minuten eher naheliegende Einfälle. Dann gingen die Ideen zunächst aus. „Ein Kardinalfehler ist es, dann abzubrechen.“ Oft kämen erst nach diesem Tal die originellen Einfälle.

2. 635-Methode

Hierbei hält jeder seine Einfälle schriftlich fest. Die Aufgabe: Sechs Mitarbeiter schreiben je drei Ideen in fünf Minuten auf - daher der Name 635. Danach werden die Blätter reihum an den jeweiligen Nachbarn gereicht. Der arbeitet daraufhin die Ideen auf dem Blatt wiederum in fünf Minuten weiter aus. Wenn alle Blätter einmal die Runde gemacht haben, sind 108 Vorschläge zusammengekommen. Der Vorteil gegenüber einem Brainstorming: „Man zwingt sich so, die Ideen vom Vorgänger aufzugreifen“, erklärt Mehlhorn. Das sorge für mehr Tiefgang und ergebe mehr Varianten eines Grundgedankens.

3. Brainwalking

Sitzen macht träge - auch im Kopf, erklärt Prof. Mehlhorn. Bewegung rege das kreative Denken an, nicht nur, weil es die Durchblutung fördert. Die Übung geht so: Man nehme mehrere Flipcharts. Auf den Blättern steht jeweils oben das Thema. Zuerst schreibt jeder spontane Einfälle auf das Flipchart-Blatt, bei dem er steht. Dann geht es los: Alle laufen im Raum herum und schauen sich an, was die anderen geschrieben haben. Das ergänzen sie mit ihren Ideen und Assoziationen.

4. Kopfstand-Technik

Hier wird das Ausgangsproblem buchstäblich auf den Kopf gestellt, erklärt der Innovationscoach und Buchautor Jens-Uwe Meyer. Anstatt zu fragen: „Wie können wir unsere Kunden begeistern?“, sollten Mitarbeiter sich fragen: „Wie können wir unsere Kunden verlieren?“ Dann kämen sie auf Ideen wie „Nie ans Telefon gehen“. Diese würden dann wieder ins Gegenteil verkehrt. So entstehen etwa die Ideen, in der Warteschleife der Kunden-Hotline einen Countdown laufen zu lassen oder einen Rückruf zur gewünschten Zeit anzubieten.

Van Aerssen gibt ein weiteres Beispiel: Ein Team soll den Messestand der Firma verbessern. Dann fragen sie sich, was sie tun können, damit niemand kommt. „Einen Stacheldraht um den Stand ziehen oder eine Stinkbombe werfen“, nennt van Aerssen einige Ideen. Im Umkehrschluss könnte das dazu anregen, Duftstoffe einzusetzen, damit es am Stand gut riecht.

Wie Filmemacher und Donald-Duck-Erfinder Walt Disney auf neue Ideen kam, lesen Sie auf der nächsten Seite.