An der Staatlichen Ballettschule soll ein „Klima der Angst“ geherrscht haben.
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BerlinIn der Affäre um die Staatliche Ballettschule Berlin muss sich die Senatsschulverwaltung von Sandra Scheeres (SPD) Vorwürfe gefallen lassen, zu spät und nicht angemessen gehandelt zu haben – die Kritik kommt auch aus den Koalitionsfraktionen.

Berichten von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern zufolge wurden junge Sportler an der Eliteschule seelisch und körperlich unter Druck gesetzt: In den Vorwürfen geht es unter anderem um Demütigungen, erschöpfungsbedingte Verletzungen, ignorierte Essstörungen und andere psychische Probleme und ein generelles „Klima der Angst“, das verhindere, dass Probleme überhaupt angesprochen werden.

Erste Beschwerden soll es bereits 2015 gegeben haben

Als sie im Januar an die Öffentlichkeit gelangten, hatte Scheeres zunächst angegeben, im September 2019 durch anonyme Hinweise aus den sozialen Netzwerken erstmals von den Problemen in der Schule erfahren zu haben.

Einer neuen Recherche des RBB zufolge hatte sich aber schon im Jahr 2015 ein Lehrer an das Beschwerdemanagement der Senatsschulverwaltung gewandt und unter anderem eine „Misstrauenskultur durch Manipulation“ sowie Mobbing an der Bildungseinrichtung beklagt. Er sei allerdings auf kein Interesse gestoßen, berichtet der Mann. Er habe den Eindruck gehabt, der dortige Mitarbeiter wolle ihn dazu bringen, möglichst schnell die Schule zu verlassen – was er schließlich auch tat.

Regina Kittler (Linke): Clearingstelle kommt zu spät

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Regina Kittler, sagte, sie habe die Bildungsverwaltung bereits im September auf Missstände hingewiesen, die Angehörige der Schule vertraulich an sie herangetragen hätten. Aus ihrer Sicht hätte Scheeres daraufhin sofort eine externe Vertrauensperson benennen müssen – die Clearingstelle, die am Mittwoch ihre Arbeit aufgenommen hat, komme viel zu spät.

Auch die am Montag erfolgte Freistellung der beiden Schulleiter Ralf Stabel und Gregor Seyffert sei „überfällig“ gewesen: „Unter dieser Leitung ist eine Atmosphäre entstanden, in der diejenigen unter Druck gesetzt werden, die Probleme auf den Tisch packen“, so Kittler. Sie und die beiden anderen Ressortsprecherinnen der Koalitionsfraktionen hatten sich in den vergangenen Wochen mit Vertretern der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft ausgetauscht.

Wie berichtet hatte am Dienstag auch ein Auftritt eines Mitarbeiters der Bildungsverwaltung vor einer Vollversammlung der Ballettschule für Ärger gesorgt. Nach Auskunft der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen, Marianne Burkert-Eulitz, hätten sich Schülerinnen und Schüler danach eingeschüchtert gefühlt.

„Falls Äußerungen des Schulaufsichtsbeamten missverstanden worden sein sollten, tut uns das leid“, sagte ein Sprecher der Senatsschulverwaltung dazu. Blume habe deutlich gemacht, dass den Vorwürfen nachgegangen würde. Es sei ihm aber auch darum gegangen, dass die Schule wieder zusammengeführt werden muss.

Und auch die Zusammensetzung der von Scheeres im Januar eingesetzten Untersuchungskommission, die die Vorwürfe aufklären soll, wird kritisiert: Weil die Mehrheit der Mitglieder aus dem Ministerialbereich kommt, sei diese nicht wirklich unabhängig. An der Spitze des Gremiums hatte es bereits Ende Januar einen Wechsel gegeben.