Schüler im Klassenzimmer. 
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Berlin - Eine Rückkehr zur Normalität wird es für Deutschlands elf Millionen Schüler so schnell nicht geben: „Normaler Unterricht wird vor den Sommerferien nicht mehr möglich sein“, sagte Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz und Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), am Dienstag. Wegen der Abstandsregelungen zur Vermeidung einer Infektion mit dem Coronavirus sei damit nicht mehr zu rechnen. „Wir wollen aber, dass alle vor den Sommerferien noch mal in die Schule kommen, tage- oder wochenweise“, so Hubig.

 Auf Wunsch der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidentenkonferenz hatten die Bildungsminister der Länder am Montag ein Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme des Unterrichts entworfen. Spruchreif ist es erst, wenn Merkel und die Regierungschefs sich am Donnerstag über die nächsten Schritte in der Corona-Krise beraten.

Zu den Eckpunkten des Papiers, auf das sich die Bildungsminister der Länder geeinigt haben, zählen Leitlinien zum gestuften Unterrichtsbeginn, zu Hygienemaßnahmen, zu Schulfächern, zur Pausengestaltung sowie zur Notbetreuung. Konkrete Daten, an denen weitere Jahrgänge zurück in die Schulen kommen sollen, stehen in der Vorlage nicht.

In Berlin kehren kommende Woche auf der Grundlage des vorherigen Beschlusses der Länder zunächst die neunten und die zwölften Klassen an die Sekundarschulen, die elften Klassen an die Gymnasien und die sechsten Klassen an die Grundschulen zurück. Was danach passiert und in welchem Zeitrahmen, ist noch nicht entschieden: Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) deutete nur an, als nächstes die fünften Klassen in den Blick nehmen zu wollen.

Danach könnte Schluss sein mit der Rückkehr ganzer Jahrgangsstufen: Scheeres kündigte am Dienstag an, verstärkt sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler zurück an die Schulen holen zu wollen. Die Idee: Berliner Schulen sollen „pädagogische Präsenzangebote“ machen für Kinder und Jugendliche, die „es besonders schwer haben, zu Hause zu lernen“, sagte Scheeres: „Das können Kinder sein, die Lern- oder Sprachdefizite haben oder in sehr beengten Wohnverhältnissen leben und über keine ausreichende technische Ausstattung verfügen.“ Ihnen Präsenzunterricht zu ermöglichen sei ihr „wichtiger, als dass ganze Jahrgänge vor dem Sommer komplett an die Schulen zurückkehren.“

Diese Angebote sollen verbindlich sein, kündigte Scheeres an. Wie das rechtlich und organisatorisch aussehen wird, ist allerdings noch unklar. Um sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler zu Hause zu erreichen, hatte Scheeres vor den Osterferien gemeinsam mit freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe bereits das Programm „Lernbrücken“ aufgesetzt. Seit klar ist, dass schrittweise wieder Unterricht stattfinden soll, fordert jedoch unter anderem die Vereinigung der Berliner Sekundarschulleiter, dass Schulleitungen selbst entscheiden dürfen, welche ihrer Schüler Präsenzunterricht am dringendsten benötigen.

Auch Scheeres’ eigene Partei macht Druck: Der SPD-Fraktionsvorstand verabschiedete am Dienstag einen Antrag, die weiterführenden Schulen in die Notbetreuung aufzunehmen. Die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Maja Lasic, sagte: „Wir wollen denjenigen Präsenzunterricht ermöglichen, die ihn am meisten brauchen. Berlin hat einfach sehr viele benachteiligte Schüler.“ Die Abgeordneten schlagen vor, den Fokus auf bestimmte Gruppen zu legen: Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinder, die wochenlang keinen Kontakt zu ihren Schulen hatten oder Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, sich angemessen um sie zu kümmern.

Abseits von den sozial benachteiligten Schülern wollte Scheeres sich am Dienstag nicht darauf festlegen, dass jeder Berliner Schüler in diesem Schuljahr noch einmal zurück an seine Schule kommt. Wenn sich die Infektionszahlen wieder negativ entwickelten, könne es auch sein, „dass wir wieder zu anderen Entscheidungen kommen“. Für den digitalen Unterricht habe man einen neuen Leitfaden entwickelt.

Hinsichtlich der Kitas haben sich Bund und Länder auf eine schrittweise Öffnung geeinigt. Vorrang sollten Kinder mit besonderen Bedürfnissen haben, heißt es in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Ein konkretes Datum für den Wiedereinstieg wurde nicht genannt. Manche Kinder sollen Vorrang beim Übergang von der Notbetreuung zum Regelbetrieb haben, . Dazu zählen laut Beschluss etwa Minderjährige mit besonderem Förderbedarf oder Kinder aus beengten Wohnverhältnissen oder von Alleinerziehenden. (mit dpa)