Wer alleinerziehend ist, hat oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Foto: Imago Images/imagebroker

BerlinKnapp 20 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern in Deutschland sind laut Bundesfamilienministerium alleinerziehend. Vorwiegend sind es Mütter. Wer als Alleinerziehende den Lebensunterhalt selbst verdienen will, stößt aber immer noch auf riesige Herausforderungen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in vielen Branchen immer noch mehr Wunsch als Wirklichkeit.

So trägt diese Schwierigkeit wohl auch dazu bei, dass 39 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern auf staatliche Grundsicherungsleistungen angewiesen sind – so die Angaben einer Meldung des Bundesfamilienministeriums aus dem vergangenen Jahr. Einige Leistungen – von Elterngeld bis zur Erstausstattung fürs Baby – sollen Alleinerziehende finanziell entlasten. Ein Überblick.

Elterngeld: Während bei einer Betreuung des Kinds durch beide Elternteile Mutter und Vater das Basiselterngeld für 14 Monate unter sich aufteilen müssen, können Alleinerziehende die Unterstützung für die vollen 14 Monate in Anspruch nehmen. Auch auf den Partnerschaftsbonus von vier zusätzlichen Elterngeld-Plus-Monaten haben Alleinerziehende ein Recht, wenn sie nach den ersten 14 Monaten mit 25 bis 30 Wochenstunden wieder anfangen zu arbeiten.

Je nach Einkommen beträgt das Elterngeld monatlich zwischen 300 und 1800 Euro. Das Elterngeld Plus zwischen 150 und 900 Euro. Jedoch gibt es eine Einschränkung für Elternteile, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder den Kinderzuschlag bekommen. Bei diesen Leistungen wird das Elterngeld auf das Einkommen angerechnet. Das Elterngeld sollte rechtzeitig beantragt werden – es wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt.

Unterhalt: Getrennt lebende Elternteile müssen das Kind mit Unterhaltszahlungen unterstützen, die sich in der Höhe am Existenzminimum des Kinds orientieren. Die sogenannte Düsseldorfer Tabelle gilt dabei als Richtwert, auch wenn die Summen vor Gericht nicht bindend sind. Falls keine Geldleistungen vom Ex-Partner zu ermitteln oder zu bekommen sind oder diese nur unregelmäßig bezahlt werden, erhalten Alleinerziehende einen Unterhaltsvorschuss vom Staat bis zum zwölften Lebensjahr des Kinds, unter bestimmten Bedingungen auch bis zum 18. Lebensjahr.

Dieser Vorschuss richtet sich nicht nach dem Einkommen des getrennt lebenden Elternteils, sondern beträgt je nach Alter des Kinds zwischen 150 und 272 Euro. 2020 steigen die Beträge auf 165 bis 293 Euro.

Entlastungsbetrag: Alleinerziehende werden auch steuerlich ein wenig entlastet. Solange es Anspruch auf Kindergeld gibt, steht ihnen ein Steuerfreibetrag von 1908 Euro pro Jahr zu. Für jedes weitere Kind gewährt das Finanzamt eine Erhöhung um je 240 Euro. Aber auch dort gilt: Der Entlastungsbetrag wird nicht automatisch gewährt, es muss ein gesonderter Antrag ausgefüllt werden.

Kinderzuschlag: Von der zusätzlichen Geldleistung können Eltern profitieren, die zwar arbeiten gehen, deren Einkommen aber nicht ausreicht, um genügend für den Lebensunterhalt der Kinder zu sorgen. Der Zuschlag steht Zusammenerziehenden genauso zu, aber Alleinerziehende mit einem geringen Gehalt können ebenso davon profitieren.

Anspruch haben Eltern von unter 25-jährigen Kindern, wenn sie kindergeldberechtigt sind und innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen liegen. Das Mindesteinkommen von Alleinerziehenden liegt bei 600 Euro brutto. Bei der Berechnung der Höchsteinkommensgrenze wird es etwas komplizierter. Dies ist kein festgesetzter Wert, sondern sie orientiert sich an der individuellen Miete, den Heizkosten und den Bedarfssätzen zum Arbeitslosengeld II, die je nach Alter des Kinds unterschiedlich hoch ausfallen. Durch die individuelle Berechnung sollen nur solche Familien Leistungen erhalten, die zwar ihren eigenen Unterhalt bewerkstelligen können, aber den zusätzlichen Bedarf eines Kinds nicht abdecken können.

Informationen und Rechenbeispiele gibt es unter familienkasse.de oder kinderzuschlag.de. Maximal gibt es mit dem Kinderzuschlag 185 Euro pro Monat und Kind.

Beratung

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) unterstützt bei Fragen zum Thema Unterhalt, Umgangsregelungen oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bietet Beratungen, Gruppenangebote oder auch konkrete Unterstützungsleistungen an. Im Internet unter vamv.de.

Die Familienkasse der Arbeitsagentur berät bei Themen zu Kindergeld und Kinderzuschlag und nimmt Anträge entgegen. Das Servicetelefon ist unter der Rufnummer (0800) 4 55 55 30 kostenlos von Montag bis Freitag erreichbar. Im Internet unter arbeitsagentur.de/familie-und-kinder.

Leistungen für Bildung und Teilhabe: Menschen, die wegen eines geringen Einkommens den Kinderzuschlag oder Wohngeld bekommen, haben auch Anspruch auf die sogenannten Leistungen zur Bildung und Teilhabe. Das sind Geld- und Sachleistungen wie zum Beispiel für den Schulbedarf, Klassenfahrten oder die Kostenübernahme von ÖPNV-Tickets.

Mehrbedarf für Arbeitslosengeld-II-Bezieher: Alleinerziehende, die Hartz IV beziehen, bekommen zusätzlich zum Regelsatz einen Zuschlag. Anspruch auf den Mehrbedarf haben Elternteile, die sich allein um ein Kind kümmern, das mit in ihrem Haushalt lebt. Die Höhe der Leistung ist abhängig vom Alter und der Anzahl der Kinder und beträgt ab Januar 2020 zwischen 51,84 Euro bei einem Kind über sieben Jahren und 259,20 Euro bei fünf und mehr Kindern.

Auch für diese Leistung muss eigens ein Antrag beim Jobcenter gestellt werden. Es sei denn, der Mehrbedarf ist bereits mit dem Erstantrag auf Hartz IV bewilligt worden. Zusätzlich zum Mehrbedarf können Arbeitslosengeld-II-Empfänger Sonderbedarf für die Erstausstattung rund ums Baby beantragen.