Stundenlang tippen bei einem Käffchen – so bitte nicht!
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BerlinDie Bar liegt längst im Dimmerlicht und weit entfernt von jedweder Arbeitsatmosphäre. Zur Sicherheit hängt an einer Wand trotzdem eine Tafel, handschriftlich ist dort mit Kreide die dringende Bitte notiert, ab 21 Uhr Laptops von den Tischen zu räumen: „Don't kill the vibe“, schließt die Notiz und macht die Bitte zu einer deutlichen Ansage.

In Cafés und Bars treffen häufig zwei Interessen aufeinander: Arbeiten in angenehmer Umgebung statt am heimischen Schreibtisch versus Freizeit.

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Selbst, wenn sich Gäste von einem Laptop am Nebentisch gar nicht persönlich gestört fühlen, stellt sich die Frage nach Ruheräumen, nach dem Wert der Pause. Auch ein für private Zwecke genutztes Notebook bleibt ein Symbol für den Stress der Arbeitswelt und die mit mobilen Geräten in den späten Feierabend eingezogene Empfangsbereitschaft.

Ohne Schranken droht ein Schicksal wie dem St. Oberholz in Mitte, das einst den Ruf als Hort der digitalen Boheme genoss. Zum Start der Nullerjahre war Freelance der neue „heiße Scheiß“ und noch verstand niemand, dass es bald ein raumgreifendes Synonym für (Selbst-)Ausbeutung sein würde. Leute, die „freelance“ an „Projekten“ arbeiteten, wirkten extrem cool, hielten sich im Oberholz aber trotzdem den ganzen Arbeitstag lang an einer Saftschorle fest. Weil sich damit kein Umsatz machen ließ, ist das Oberholz heute ein Co-Working Space.

Kein WLAN für die Gäste

So einer Entwicklung will der Wirt einer anderen Stammkneipe vorbeugen. Er hat keine Hinweistafel aufgehängt, reagiert aber mit höchst reservierter Miene, sobald ein Gast nach dem WLAN-Passwort fragt. Mitunter handhabt er die Anfrage rigoros und behauptet, er habe kein Internet. Entgegnet der Gast darauf, dass der Name der Lokalität in den Netzwerken auftaucht, antwortet der Wirt: „Ist kaputt.“ Wenn ein einzelner Besucher an einem Vierertisch seinen Laptop ausbreitet und dann nur einen Kaffee bestellt, erreicht die Gastfreundschaft einfach sehr schnell ihr Ende.

Als er einem weiblichen Gast neulich sogar erklärte, warum er seinen Laden nicht als Arbeitsstätte versteht und möchte, dass sich seine Gäste hier entspannen können, zeigte sie sich etwas überrascht, schien die Regeln aber stillschweigend zu akzeptieren. Bis sie ein paar Minuten später ihre eigenen machte, unauffällig zusammenpackte und die Zeche prellte.