Direkt den Dampf ablassen oder doch für sich behalten?
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BerlinÜber Kolleginnen und Kollegen, die nerven, schrieb ich hier vergangene Woche. Ob Rauchen im Büro, verdreckte Schreibtische oder laut klingelnde Handys – mir fiel viel ein. Jetzt bekam ich den Brief einer Leserin, die weisen Rat gibt.  

Helene Schulze aus Mitte schreibt mir darauf: „Wäre es nicht besser, die Punkte, die man an dem Kollegen nicht mag, einfach zu ignorieren, anstatt sich von dem Tun und Nichttun der Kollegen nerven zu lassen? Die Frage lautet: Was nervt Sie? Ich denke, man sollte besser fragen: Wovon lassen Sie sich nerven? Es liegt doch immer auch an mir, wenn ein Kollege mich nerven kann, oder besser gesagt, wenn ich zulasse, dass er mich nerven kann.  

Lieber Klappe halten

Sie lenken erneut die Aufmerksamkeit der Leser darauf, sich auf das Nerven der Kollegen zu konzentrieren. Wäre es nicht besser, die Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten der nervenden Kollegen zu legen? Und damit sich selbst vor Energieverlust durch Genervtsein zu schützen? Gleichzeitig könnte man den Kollegen trotz störender Nebensächlichkeiten, wie Sie es nennen, weiterhin schätzen. Klingt es nicht einfacher, mich selbst zu ändern, als zu versuchen, den anderen zu ändern?  

Ich arbeite seit Jahren mit Menschen in Unternehmen an genau diesen Themen und erlebe dabei immer wieder, wie viel leichter, freudvoller und respektvoller der Umgang miteinander wird, wenn die Menschen erkennen, dass der Weg zu einem entspannten und wertschätzenden Miteinander in einem selbst liegt. Natürlich will ich damit nicht ungespültes Geschirr neben der Spülmaschine und ähnliches rechtfertigen.

Unerfreuliches ignorieren

Ich lasse mir davon jedoch nicht meine Freude und Energie nehmen. Ich nutze/reserviere/erhalte/ mir meine Energie für meine Arbeit, meine Familie und meine Freizeit. Versuchen Sie es auch mal so.“ Herzlichen Dank für Ihre offenen Worte, Frau Schulze, Sie haben wirklich Recht! Sich selbst nicht als Opfer zu sehen, macht vieles leichter.

Freiherr Knigge (1752-1796) sagt ebenfalls Bedenkenswertes zum Thema: „Jeder Mensch gilt in dieser Welt nur so viel, als wozu er sich selbst macht. Ein Satz, dessen Wahrheit auf die Erfahrung aller Zeitalter gestützt ist. Ohne also sich zur Prahlerei und zu niederträchtigen Lügen herabzulassen, soll man doch nicht die Gelegenheit verabsäumen, sich von seinen vorteilhaften Seiten zu zeigen.“