Etwa zwei von drei Berufstätigen sitzen regelmäßig länger als vereinbart im Büro (rund 63 Prozent). Das geht aus dem Arbeitszeitmonitor 2015 hervor, den die Gehaltsdatenbank Gehalt.de am Donnerstag veröffentlicht hat. Einen Freizeitausgleich oder mehr Gehalt bekommen längst nicht alle dafür – für 44 Prozent gibt es weder mehr Geld noch werden Überstunden abgefeiert.

Laut der Studie sind die meisten Deutschen zwischen 36 und 40 Stunden pro Woche beschäftigt. Viele arbeiten jedoch länger, über 40 Prozent der Mitarbeiter bis zu fünf Stunden zusätzlich. Vier Prozent aller Arbeitnehmer gaben an, dass sie sogar eine 65-Stunden-Woche haben. Dabei kommen in großen Firmen und Konzernen im Schnitt mehr Überstunden zusammen als in mittelständischen Unternehmen.

Selbst kurz vor der Rente reduzieren Arbeitnehmer kaum Stunden: Je höher das Alter, desto mehr Überstunden werden geleistet. Laut Studie arbeiten unter 20-jährige Berufsanfänger nicht länger als 2,4 Stunden zusätzlich, während im Alter zwischen 50 und 60 Jahren vier bis fünf Überstunden keine Seltenheit sind. „Das erklärt sich vor allem durch höhere Hierarchieebenen und die damit einhergehende größere Verantwortung für Beschäftigte“, sagte Artur Jagiello, Sprecher von Gehalt.de.

Unternehmensberater und Gastronomen gehen spät nach Hause

Am meisten arbeiten Unternehmensberater, von ihnen kommt fast keiner pünktlich nach Hause: Sie schuften durchschnittlich jede Woche sechs Stunden mehr, als es der Arbeitsvertrag vorsieht. Es folgt das Hotel- und Gaststättengewerbe mit 5,5 Stunden. Angestellte im Konsum- und Gebrauchsgüterbereich bringen es immerhin auf 5,2 Stunden. Der branchenübergreifende Durchschnitt liegt bei 3,8 Stunden.

Frauen machen weniger Überstunden als Männer

Im Geschlechtervergleich gehen Frauen deutlich früher aus dem Büro als Männer. In der Gruppe mit bis zu fünf Extra-Stunden in der Woche kommen Frauen auf 40 Prozent und Männer auf 60 Prozent. Beschäftigte mit 26 bis 30 Überstunden pro Woche sind dagegen zu über 80 Prozent männlich.

Überdurchschnittliche Mehrarbeit seltener entschädigt

Mehr Überstunden bedeuten nicht automatisch einen größeren Ausgleich. Im Gegenteil: Knapp die Hälfte der Beschäftigten mit bis zu fünf zusätzlichen Stunden pro Woche erhält einen Ausgleich vom Unternehmen, meist in Form von Freizeit – die anderen gehen leer aus. Berufstätige mit 16 bis 20 Überstunden werden noch seltener für den Mehraufwand entschädigt: Hier liegt der Anteil bei lediglich 18 Prozent.

Gehalt.de verglich für die Studie Daten von rund 273.000 Arbeitnehmern, die alle in der Regel zwischen 36 und 40 Stunden in der Woche arbeiten.