Prüfungen könnten theoretisch auch stattfinden, wenn die Schulen noch geschlossen sind.
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BerlinDer Druck auf die SPD-Schulsenatorin Sandra Scheeres, die Abiturprüfungen abzusagen, steigt. Nach der Vereinigung der Berliner Gymnasialschulleiter und dem Landesschülerausschuss meldete sich am Donnerstag auch die Vereinigung der Berliner Sekundarschulleiter (BISSS) zu Wort.

In einem Positionspapier sprechen sich die Mitglieder klar für die Absage aller Abschlussprüfungen aus: Abitur, Mittlerer Schulabschluss, Berufsbildungsreife: „Da niemand sinnvolle Termine nennen kann (nach den Osterferien? Anfang Juni? Mitte August?), verunsichert dies alle Beteiligten immer mehr.“ Die Schülerinnen und Schüler stünden unter immensem psychologischen Druck. Die BISSS befürchtet „vorhersehbare Nachteile“, sollten die Prüfungen nicht abgesagt werden.

Ein deutliches Statement geben die Sekundarschulleiter auch in Bezug eine mögliche Durchführung der Prüfungen trotz Eindämmungsmaßnahmen ab: „Solange ein Kontaktverbot besteht, können wir von unseren Kollegien keine Durchführung von Prüfungen verlangen.“

Prüfungen in leeren Schulen?

Erst am Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet, dass die bestehenden Einschränkungen bis nach Ostern verlängert werden sollen. Auch in Berlin und Brandenburg gilt die Kontaktsperre deshalb nun bis mindestens 19. April – also bis zum offiziellen Ende der Schulschließungen und einen Tag, bevor der Zeitraum beginnt, in dem die Schulen dann die Abschlussprüfungen durchführen sollen.

Dass die Schulen am 20. April wirklich wieder öffnen, glaubt allerdings kaum noch jemand. Scheeres’ Sprecher bestätigte erneut, dass die Senatsbildungsverwaltung dennoch weiterhin beabsichtigt, die Abschlussprüfungen auch in leeren Gebäuden durchzuführen – „unter Einhaltung des Mindestabstandes, in kleineren Gruppen und mit vorheriger Reinigung der Schulen“, so der Sprecher. Auch die Kultusministerkonferenz hatte in der vergangenen Woche entschieden, an den Abiturprüfungen festzuhalten. Für eine anderslautende Entscheidung muss aus Sicht der Senatsbildungsverwaltung mindestens bis 14. April abgewartet werden: Am Dienstag nach Ostern wollen Bund und Länder die Lage neu bewerten.

Ralf Treptow von der Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren überrascht das nicht: „Die Senatorin hat die Entscheidung getroffen, auf Sicht zu fahren. Dass jetzt bis zum Ende der Osterferien abgewartet werden soll, ist die logische Konsequenz.“

Seinem Vorschlag, statt Prüfungen die in den Semestern gesammelten Punkte um den Faktor 1,5 zu multiplizieren, um die Abiturnote zu ermitteln, schließen die Sekundarschlleiter sich in ihrer Stellungnahme an: „Bei diesem Vorgehen wären theoretisch Nachteile für einige Abiturienten möglich, praktisch sind Verbesserungen durch den Prüfungsteil aber äußerst selten.“ Das Erreichen aller anderen Schulabschlüsse, darunter Mittlerer Schulabschluss und Berufsbildungsreife, könne ohne Prüfungen über die Jahrgangsnoten ermittelt werden.