Die vom Bundestag beschlossene Bafög-Reform beschert Studierenden mehr Geld, doch  in Universitätsstädten wie Berlin mindern die höheren Zuschläge die Belastungen durch hohe Wohnkosten nur begrenzt. Eine aktuelle Analyse des Immobilienportals Immowelt zeigt: Trotz Erhöhung reicht die Bafög-Wohnpauschale von künftig 360 Euro in 31 von 68 untersuchten Hochschulstädten nicht aus, um die Kaltmiete einer typischen Studentenwohnung mit ein bis zwei Zimmern und einer Größe von 40 Quadratmetern zu bezahlen.

In den hochpreisigen Hochschulstädten müssen Studierende trotz Reform weiterhin einen großen Teil des kompletten Bafög-Höchstsatzes von rund 930 Euro inklusive Wohnpauschale für die Miete aufwenden. Wer in Berlin eine Studentenwohnung bezieht, muss nach der Reform noch 54 Prozent des Bafögs für die Kaltmiete aufbringen, die sich hier im Mittel auf 500 Euro beläuft. Zum Vergleich: Vor der Bafög-Erhöhung entfielen in Berlin auf die Wohnkosten 58 Prozent des Bafögs.

In München, der teuersten Stadt, werden die Studierenden noch stärker zur Kasse gebeten. Dort kostet eine 40 Quadratmeter große Wohnung im Mittel 780 Euro pro Monat – das sind 84 Prozent des neuen Höchstsatzes. Bisher mussten Studierende in der Isar-Metropole laut Immowelt 91 Prozent der Förderung für die Miete ausgeben.

Auch in anderen großen Hochschulstädten bleibt Studierenden nach Zahlung der Miete nur wenig vom Bafög übrig. In Frankfurt am Main (520 Euro) verschlingt die Kaltmiete für eine Studentenwohnung 56 Prozent des reformierten Bafög-Höchstsatzes (vor Erhöhung: 60 Prozent). Auch in Köln geben Studierende nach wie vor mehr als die Hälfte der Förderung für die Wohnungsmiete aus: Eine Studentenwohnung in der Domstadt kostet im Mittel 490 Euro und frisst somit 53 Prozent des neuen Bafög-Höchstsatzes. Kaum besser ist die Situation in Hamburg, wo Studierende laut Immowelt 470 Euro pro Monat zahlen – das sind 50 Prozent der kompletten Förderung.

Nicht alle Städte sind teuer

In den teuren Unistädten Süddeutschlands zehrt die Miete ebenfalls einen großen Teil des Bafögs auf. Wer in Stuttgart studiert, zahlt für eine Studentenwohnung im Mittel 540 Euro pro Monat – 58 Prozent der reformierten Förderung (vor Erhöhung: 63 Prozent). Neben Stuttgart bietet Baden-Württemberg auch mehrere kleinere Städte mit renommierten Universitäten. Doch sowohl in Konstanz (480 Euro, 52 Prozent) als auch in Freiburg (450 Euro, 48 Prozent) verschlingt die Miete für eine Studentenwohnung einen erheblichen Teil des gesamten Zuschusses. Auch im benachbarten Bayern belastet das teure Wohnen die studentischen Budgets stark: In Ingolstadt (48 Prozent), Augsburg (45 Prozent) und Nürnberg (44 Prozent) bleibt Studierenden nach Zahlung der Miete trotz Bafög-Erhöhung laut Immowelt weniger als 60 Prozent der Förderung.

Nicht alle Unistädte in Deutschland weisen derart hohe Wohnungsmieten auf. Besonders im Osten Deutschlands kommen Studierende dank der niedrigen Angebotsmieten mit der Förderung deutlich besser über die Runden. In beliebten Unistädten wie Halle (230 Euro), Dresden und Leipzig (jeweils 270 Euro) gehen nur 25 bis 29 Prozent des Bafögs an den Vermieter. Die niedrigsten Angebotsmieten aller betrachteten Städte bezahlen Studierende in Chemnitz: Eine Studentenwohnung kostet dort im Mittel 190 Euro und beansprucht somit nur 20 Prozent des neuen Bafög-Höchstsatzes.

Ruhrgebiet noch günstig

Günstige Wohnungen finden Studierende auch in den Unistädten des Ruhrgebiets. Wer ein Studium in Gelsenkirchen (240 Euro, 26 Prozent), Bochum (280 Euro, 30 Prozent), Dortmund oder Essen (jeweils 300 Euro, 32 Prozent) absolviert, verbraucht weniger als ein Drittel der gesamten Bafög-Förderung für die studentische Bleibe. In allen untersuchten Unistädten des Ruhrgebiets liegt die mittlere Kaltmiete für eine Studentenwohnung sogar unterhalb der neuen Bafög-Wohnpauschale von 360 Euro.

Datenbasis für die Berechnung der Mieten waren Wohnungsangebote, die bei Immowelt im Jahr 2021 veröffentlicht wurden.