Ballett (Symbolbild)
Foto: dpa/Kay Nietfeld

BerlinDie Clearingstelle, bei der sich Schüler, Ehemalige, Eltern und Lehrer vertraulich zu den Vorwürfen gegen die Staatliche Ballettschule Berlin (SBB) melden können, hat in der ersten Woche nach eigenen Angaben bereits 60 Gespräche geführt.

Die genauen Inhalte wollten die beiden Ansprechpartner der Stelle bei einem Pressegespräch am Mittwoch nicht wiedergeben. Klar ist aber: Die bereits bekannten Vorwürfe kommen in den Gesprächen genau so auf wie der Wunsch, den Wert der SBB zu verteidigen. „Es ist sehr viel Druck an der Schule, atmosphärisch ist das kompliziert“, sagte Elke Nowotny, ehemalige Vorstandsvorsitzende des Kinderschutz. Sie hoffe, in der Schulkonferenz am Abend weiter Vertrauen aufbauen zu können.

Clearingstelle soll Kommission unterstützen

Die Clearingstelle ist als niedrigschwellige Ergänzung zur Kommission gedacht, welche die Machtstrukturen in der SBB untersuchen soll. Nowotny und ihr Kollege Arthur Kröhnert, ebenfalls Kinderschutz-Experte, erklärten am Mittwoch, sie sähen sich als Gesprächspartner, denen alle, die wollten, ihre Sichtweise auf mögliche Probleme an der Schule mitteilen könnten. Ziel sei stets ein persönliches Treffen. Vertraulichkeit sei garantiert. Anrufer würden zwar um Namen und Rückrufnummer gebeten, die Daten allerdings an niemanden weitergegeben. Die Clearingstelle ist auch per Mail zu erreichen.

Nowotny und Kröhnert stellten am Mittwoch allerdings auch klar, dass die Clearingstelle keine therapeutische oder beratende Einrichtung sei. Sie arbeitet zwar unabhängig von der Kommission, soll ihr aber alle zwei Wochen Bericht erstatten. Dabei, so Kröhnert, gehe es aber nicht darum, einzelne Aussagen weiterzuleiten, sondern das Gesamtbild, das sich aus den Gesprächen ergebe.

Auch Kommission will Vertrauen zurückgewinnen

Gemeinsam mit den Kinderschützern von der Clearingstelle soll endlich auch die von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) eingesetzte Untersuchungskommission am Mittwoch in der Schulkonferenz vorgestellt werden. Kommissionsleiter Klaus Brunswicker hofft, dort Vorbehalte abbauen zu können: „Wir wollen um Vertrauen werben“, so Brunswicker im Vorfeld.

Sein Gremium soll untersuchen, ob es an der Schule Mechanismen gibt, die verhindern, dass Missstände offen angesprochen werden konnten. Die Arbeit beginnt in dieser Woche. Seit der Einsetzung der Kommission Ende Januar gibt es Vorwürfe aus der Schulgemeinschaft, sie sei nicht wirklich unabhängig, weil einige Mitglieder berufliche Verbindungen zu Bildungsverwaltung haben. Brunswicker wehrt sich: „Das schafft aber noch keine Abhängigkeit. Wir lassen uns vertraglich zusichern, dass wir weisungsungebunden und unabhängig arbeiten können.“