Die Schatten einer erwachsenen Person und eines Kindes (Symbolbild). 
Foto: Matthias Hiekel/dpa

BerlinDurch Corona sind die Fälle häuslicher Gewalt drastisch in die Höhe geschnellt. Im Juni 2020 gab es in Berlin rund 30 Prozent mehr Fälle als im Juni des letzten Jahres. Kinder sind entweder selbst Opfer von häuslicher Gewalt – oder sie leiden indirekt, weil sie erleben, wie die körperliche und seelische Integrität ihrer Mütter verletzt wird. Durch den Lockdown konnten viele Fälle nicht rechtzeitig erkannt, gemeldet und begleitet werden. Auch weil der regelmäßige Kontakt zu Lehrern und Nachbarn wegfiel, die manchmal Alarm schlagen, wenn sie große blaue Flecken und ähnliche verdächtige Anzeichen wahrnehmen.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass Berlin nun eine weitere Kinderschutzambulanz bekommen soll. Heute unterzeichnen Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci die Verträge mit dem Sana Klinikum Lichtenberg und dessen Kooperationspartner, dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge. Damit kann die mittlerweile sechste Kinderschutzambulanz in der Hauptstadt eröffnen. Sie verstärkt das Berliner Netzwerk Kinderschutz im Ostteil der Stadt.

Die Berliner Kinderschutzambulanzen befinden sich in verschiedenen Kliniken. Es handelt sich um hoch kompetente Anlaufstellen zur Beurteilung von Kindeswohlgefährdungen. In jeder Ambulanz arbeiten Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen der Medizin, Psychologie und Sozialarbeit interdisziplinär zusammen. Die Jugendämter können durch sie die medizinische Diagnostik im Zusammenhang mit Kinderschutzfällen durchführen lassen. Bisher gibt es Kinderschutzambulanzen in der Charité (Mitte), in den DRK Kliniken Berlin Westend (Charlottenburg), im St. Joseph Krankenhaus (Tempelhof), im Helios Klinikum (Buch) und im Vivantes Klinikum (Neukölln).