Lehrerin mit Maske im Präsenzunterricht. 
Foto: Imago Images/Michael Weber

BerlinNach den Herbstferien müssen sich die Berliner Schulkinder warm anziehen beziehungsweise warme Kleidung mit in die Schule bringen. Denn der Musterhygieneplan der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sieht vor, dass die Klassenzimmer mehrfach täglich stoß- und quergelüftet werden: Vor und nach dem Unterricht, in jeder Pause und mindestens einmal in der Mitte jeder Unterrichtsstunde für 3-5 Minuten.

Außerdem wird geraten, dass die weniger kälteempfindlichen Kinder in der Nähe der Fenster Platz nehmen – und das dann auch in dem festen Sitzplan berücksichtigt wird, den die Lehrer anfertigen sollen.

Das Land Berlin nimmt jetzt eine Million in die Hand, um CO₂-Messgeräte für die Schulen anzuschaffen. Nicht jede Klasse wird ein eigenes Gerät bekommen. Aber jede Klasse wird leihweise über ein Gerät verfügen, um das richtige Lüften in den Klassen üben zu können. Immer, wenn die Sauerstoffsättigung der Räume nicht mehr hoch genug ist, reagiert das Gerät und zeigt an, dass die Fenster wieder geöffnet werden müssen.

Auch über den Einsatz von Hochleistungsfiltern wird nachgedacht. Die Senatsverwaltung hat an drei Schulen in verschiedenen Bezirken der Stadt solche Filter aufgestellt und will ihren Einsatz testen lassen. Bis jetzt sei die Diskussion um den Einsatz von Filtern kontrovers, sagte die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Vorstellung des Corona-Stufenplans vergangene Woche: „Was die Wirksamkeit angeht, die Lautstärke, die Bedienung und die Wartung. Angeblich brummen manche der Filter so laut wie alte Kühlschränke. Bei kostengünstig gekauften Geräten können hohe Wartungskosten anfallen. Und wenn man nicht regelmäßig wartet, kann sich die Wirkung ins Gegenteil verkehren: Dann werden die Filter plötzlich zu Virenschleudern, anstatt die Virenlast im Klassenzimmer zu reduzieren.“

Wissenschaftler raten deshalb zum Einsatz von sehr hochwertigen Geräten, die mit Hochleistungsschwebstofffiltern (HEPA-Filter H13 oder H14) ausgerüstet sind, leise arbeiten und einen ausreichenden Volumenstrom garantieren. Aber pro Gerät muss man da mit Kosten von mindestens 400 Euro rechnen. Und die Schulen flächendeckend damit auszustatten, wäre das eine große Investition für Bund und Länder. Viele Fördervereine von Schulen überlegen nun, die Filter in eigener Regie anzuschaffen.

Für den Einsatz von Luftfiltern an Schulen plädiert der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach. „Im Winter wird es nicht mehr möglich sein, auf die Lüftungsmenge zu kommen, die nötig ist, um den Schulbetrieb sicher zu machen“, sagt er. „Bei null Grad Außentemperatur können kaum jede halbe Stunde die Fenster aufgerissen werden.“ Die Filter könnten eine Lösung sein, so Lauterbach.