Berliner Schüler sollen künftig später in die Sommerferien starten.
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BerlinEs ist jeden Sommer dasselbe. Während viele Bundesländer – darunter auch Berlin – teils schon im Juni ihre Schüler und Lehrer in die großen Ferien schicken (siehe Tabelle), sind Baden-Württemberg und Bayern stets zuletzt dran. Was wie eine Formalie klingt – schließlich haben alle sechseinhalb Wochen Ferien – ist aus Sicht der „frühen“ Länder eine Ungleichbehandlung. Das will Berlin jetzt ändern. Doch dass der Vorstoß von Erfolg gekrönt wird, ist nicht ausgemacht. Politische Beharrungskräfte, die Pflicht einer einvernehmlichen Regelung und die Lobbytätigkeit der Urlaubsindustrie stehen dagegen.

Es ist so etwas wie eine Angriff des Nordens auf die Ferienpfründe des Südens, den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am heutigen Donnerstag auf der Kultusministerkonferenz (KMK) im KMK-Sekretariat in der Taubenstraße in Mitte führen will. Zusammen mit ihrem Hamburger Amtskollegen Ties Rabe (auch SPD) will Scheeres einen Vorschlag einbringen, der das Sommerferienwesen nachhaltig verändern soll. Die Ferien sollen nur noch zwischen 1. Juli und 10. September stattfinden und damit leichter planbar werden.

System erschwert die Planung

Die Termine für 2020 bis 2024 stehen fest. Nun sollen auf der Konferenz die Termine für 2025 bis 2030 festgelegt werden. Ein Blick auf den Ferienkalender der nächsten drei Jahre veranschaulicht die Regelung: In Mecklenburg-Vorpommern beginnen 2020 die Ferien am 22. Juni. Ein Jahr später gehört erneut Mecklenburg-Vorpommern zur Vorhut – wie auch in Schleswig-Holstein geht’s am 21. Juni in die Ferien. 2022 ist Nordrhein-Westfalen Frühbucher (27. Juni). Berlin startet am 25. Juni (2020), am 24. Juni (2021) und am 7. Juli (2022). Im Süden enden die Ferien stets erst in der zweiten September-Woche.

Dahinter steckt ein rollierendes System. Jedes Bundesland – bis auf Baden-Württemberg und Bayern – gehört mal zu den frühen, mal zu den mittleren Ferienstartern. Dieser Wechsel mache die Planung des zweiten Schulhalbjahres stets kompliziert, so die Argumentation. Schließlich bedeutet ein früher Ferienbeginn ein kürzeres Halbjahr, und damit weniger Zeit zur Vorbereitung von Prüfungen. Insbesondere beim Abitur, das bundesweit vergleichbar sein soll, seien die Unterschiede zu den Nachzüglern aus dem Süden groß.

Nach Worten eines Sprechers von Senatorin Scheeres gehe es nicht darum, die gestaffelte Ferienregelung aufzugeben. Niemand wolle Einheitsferien, wie sie etwa in Frankreich oder Spanien üblich sind. Tatsächlich wolle man, dass „mehrere Varianten einer regionalen Staffelung geprüft werden – mit oder ohne Rotation“. Bisher rotieren alle außer Baden-Württemberg und Bayern.

Die beiden Südländer sind seit eh und je davon ausgenommen. Der historische Grund ist, dass beide einst agrarisch strukturiert waren. Die Kinder sollten bei der Ernte helfen und nicht zu der Zeit in der Schule sitzen. Doch das ist längst vorbei, heute sind Baden-Württemberg und Bayern primär Industriestandorte. Kein Grund also mehr für Rücksichtnahme aus dem Rest der Republik. Entsprechend breit ist die Unterstützung für Scheeres. Alle SPD-regierten Länder sind dafür, aus Berlin kommt Zustimmung vom Landeselternausschuss, dem Verband der Gymnasiallehrer und dem Landesschulbeirat.

Kritik von CDU und Wirtschaft

Selbst Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, hält es für richtig, die Ferien neu zu organisieren. Aber auf Scheeres’ Seite stellt er sich damit noch lange nicht. „Wir haben wichtigere Aufgaben zu lösen, ehe wir uns mit Ferienänderungen an die Kultusministerkonferenz wenden“, sagt der Oppositionspolitiker. Tatsächlich liege es nicht an der Ferienregelung, dass Berlins Schülerleistungen immer noch am Ende aller Länder stehen, „sondern an fehlenden Schulplätzen, an ausreichend gut ausgebildeten Lehrern und an vernünftiger Sprachausbildung der Kinder, ehe sie in die Schule kommen. Darauf sollten sich Frau Scheeres und ihr Senat konzentrieren“, so Stettner.

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), hält den Vorstoß aus ganz anderen Gründen für falsch. Immerhin würde der Ferienkorridor von 85 Tagen auf 72 Tage sinken. Das sind 13 Tage weniger, an denen fette Umsätze gemacht werden können. Da kann aus Sicht der Branche ein bisschen Drohgebärde offenbar nicht schaden. „Es ist allseits bekannt, dass zu kurze Korridore für die Sommerferien zu Staus, ausgebuchten Reisezielen und letztlich auch zu steigenden Preisen führen, da das Tourismusangebot künstlich verknappt wird“, teilt Hartges mit.