Die Lehrerin unterrichtet türkischstämmige Schüler in ihrer Muttersprache (Archivbild).
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BerlinDie Freie Universität richtet einen neuen Lehramtsstudiengang für Türkisch ein. Losgehen könnte es schon im Wintersemester 2020/2021. Da die zusätzlichen Kosten von circa 200.000 Euro in den aktuellen Hochschulverträgen, die noch bis 2022 laufen, nicht eingepreist sind, werden sie von der Senatskanzlei für Wissenschaft und Forschung getragen. Das geht aus einem Brief hervor, über den der Tagesspiegel berichtete. Darin hatte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) die Universität um die Einrichtung eines solchen Studiengangs gebeten.

„Der Bedarf ist da, der politische Konsens auch, also wozu warten. Wir waren uns schnell mit der Freien Universität einig und sichern die zusätzlich notwendigen Mittel. Das soll dann in den nächsten Hochschulverträgen 2023 bis 2027 verstetigt werden“, sagte Krach.

Die Freie Universität teilte mit, ein Konzept für den Studiengang befinde sich in Vorbereitung. „Türkischlehrerinnen und –lehrer auch in Berlin auszubilden ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgaben für die Zukunft“, sagte ein Sprecher. Unter anderem prüfe man, welche Stellen für den Aufbau des neuen Studiengangs notwendig seien. Konkrete Aussagen zur Anzahl der Studienplätze konnte die Universität noch nicht machen.

Türkisch für Grundschüler – unabhängig von Ankara

Berlin bemüht sich seit einigen Jahren, staatliche Alternativen zum muttersprachlichen Ergänzungsunterricht Türkisch für Grundschüler zu etablieren. Diesen „Konsulatsunterricht“ leiten nämlich Lehrkräfte, die von der Türkei fortgebildet, entsandt und bezahlt werden. Nachdem im Rahmenlehrplan aus Ankara nationalistische und religiöse Inhalte entdeckt worden waren, richtete die Bildungsverwaltung 2018 an Grundschulen eigene Lerngruppen für Kinder mit türkischer Herkunftssprache der Klassenstufen 1 bis 3 ein.

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Die Zahl der Grundschulen, an denen Konsulatsunterricht stattfindet, ist seither deutlich gesunken: von 87 (rund 2340 unterrichtete Schüler) auf 62 (1360 unterrichtete Schüler) in zwei Jahren. Dagegen bieten 67 Grundschulen aktuell von der Türkei unabhängigen „Herkunftssprachenunterricht“ für rund 1570 Schüler an. Der neue Studiengang soll dem Mangel an qualifizierten Lehrkräften für diese Alternative abhelfen.

Aus der Bildungsverwaltung hieß es, man begrüße den Vorstoß von Krach. „Wir hatten ja auch schon um die Einrichtung eines solchen Studiengangs geworben“, so ein Sprecher. Zu der Frage, ob die türkischen Konsulatslehrer bei einem Treffen zwischen Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) und dem neuen Generalkonsul Rifki Olgun Yücekök am 20. Januar thematisiert wurden, wollte die Verwaltung sich nicht äußern. „Es ist nicht üblich, den Gesprächsverlauf eines Antrittsbesuches öffentlich zu machen“, so der Sprecher.

Kommt eine türkische Schule nach Berlin?

Tatsächlich hatte Scheeres im Oktober 2019 angekündigt, ein Lehramtsstudium Türkisch an Berliner Unis ermöglichen zu wollen. Den Bedarf wollte Scheeres bei den nächsten Hochschulverhandlungen für die Jahre 2023 bis 2027 anmelden. Mit dem Vorstoß ihres Parteikollegen Krach kommt der Studiengang nun voraussichtlich schon deutlich früher.

Entgegen dieser Entwicklung könnten in Berlin bald wieder mehr von der Türkei entsandte Lehrer unterrichten: Anfang Januar wurde bekannt, dass die Stadt als einer von drei deutschen Standorten für eine türkische Schule im Gespräch ist. Zwei weitere Schulen könnten in Köln und Frankfurt am Main entstehen. Nach Auskunft des Auswärtigen Amts hätte eine solche Vereinbarung mit der Türkei das Ziel, „die Rechtsgrundlage für die deutschen Auslandsschulen in Ankara, Istanbul und Izmir abzusichern“.